Fachwissen im Unternehmen verankern: Fachkräfte entwickeln und gewinnen

Investition in Training und Weiterbildung ist ein Zeichen der Zeit. Die an sich banale Behauptung, dass sich Weiterbildung lohnt, hat längst massiv an neuer Qualität gewonnen. Es gilt, passgenaue Fachkräfte zu gewinnen und sich als Mitarbeiter gezielt in den als relevant erkannten Facetten weiterzuentwickeln. Fachwissen als solches ist jedenfalls persönliches und unternehmensspezifisches, immaterielles Kapital; ob es allerdings erfolgreich eingesetzt werden kann, ist davon abhängig, wie aktuell das Fachwissen ist und welchen Marktwert es noch repräsentiert. Moderne Lernkonzepte sind gefragt, die sich diesen Anforderungen stellen; auf was es hierbei ankommt, erläutert Markus Schwarzgruber, Geschäftsführer und Querdenker im Team der mindHub GmbH.

Herr Schwarzgruber, Sie empfehlen Unternehmen, für die Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter eine Inhouse-Akademie einzurichten. Wird Weiterbildung damit individueller oder unternehmensspezifischer?

Beides! Betrachten wir auf der einen Seite die Unternehmen, so bietet eine Mitarbeiter-Akademie passgenau das Wissen, das die Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens für diese Leistung und diese Branche benötigen; nicht mehr und auch nicht weniger. Auf der anderen Seite stehen die Mitarbeiter. Vielleicht kennen Sie das noch aus der eigenen Ausbildungserfahrung: Da gab es Kollegen, denen fiel Mathematik total leicht; andere mussten sich alles aufschreiben; wieder andere fragten ständig nach. Das liegt daran, dass auch der Mitarbeiter als Mensch individuell lernt. Und auch hier arbeitet die Mitarbeiter-Akademie zum großen Teil mit redundanten Lernformaten: Kurzvideos hier; Booklets fürs Smartphone dort; Tools für die Praktiker; eBooks und noch einiges mehr. Damit sucht sich der Mitarbeiter das Wissen, das er braucht, und lernt auf die Art, die ihm gefällt; also hochgradig individuell.

Was zeichnet eine passgenaue Inhouse-Akademie für ein Unternehmen aus?

Einer passgenauen Mitarbeiter-Akademie geht ein Beratungsprozess voraus. Zunächst geht es um die Ziele des Unternehmens. Was will es erreichen? Wo sollen die Mitarbeiter stehen? Wie sieht der Personalstand in einigen Jahren aus? Aus diesen Zielen, der Strategie des Unternehmens, der Unternehmenskultur und natürlich aus den vielen Eigenarten des Unternehmens wird eine Strategie für die Mitarbeiter-Akademie abgeleitet. In einem zweiten Schritt werden wir den aktuellen Fertigkeitsstand der Mitarbeiter festhalten und somit das Delta ableiten, das trainiert werden sollte. Damit können die Themen für die Akademie bestimmt werden. Insoweit ist das Ganze noch ein Standardvorgehen bei der Konzeption von Ausbildungen.

Und worin liegt nun die besondere Ausrichtung einer Inhouse-Akademie?

Das Besondere resultiert aus unseren Erfahrungswerten. Nach der Grundkonzeption stellen wir fest, wie weit das Unternehmen bereits auf innovative Weiterbildungsformate vorbereitet ist. Dabei werden drei Bereiche bewertet: Primär die Organisation: geprägt durch Prozesse, Kultur, Entwicklungslevel, Personalstruktur und Technik; hinzu kommt die Akzeptanz und Motivation der Mitarbeiter: geprägt z.B. durch Arbeitslast, Social Media-Erfahrung, Virtualität, virtuelle Erfahrungen etc.; schliesslich die Themen und Lernprozesse: geprägt durch unterschiedliche Anteile an Wissensvermittlung, Konstruktion und Handlungskompetenz. Nach dieser Analyse wissen wir, an welcher Stelle noch Vorbereitungen erfolgen sollten und wo bereits alles klar ist.

Was folgt danach?

Im letzten Planungsschritt können nun die konkreten Themen und Techniken zusammengebracht und die Akademie-Module definiert werden. Die Frage, die dahinter steht, heißt: Welche Modelle und Themen können am besten über welche Technik trainiert werden? Das ist immer ein sehr heikler Akt, da diese Bewertung vorurteilsfrei erfolgen sollte und nicht getrieben von den Vorlieben der Trainer. Vielmehr steht der Nutzen des Unternehmens im Vordergrund; bezogen auf Kosten, Arbeitszeitbelastung und Lernfortschritt. Daraus ein optimiertes Ganzes zu erstellen, ist immer wieder spannend und herausfordernd. Sobald das getan ist, können wir die konkreten Curricula definieren, um den Ausbildungsstand zu erreichen. Ja, und dann geht es auch schon los mit den ersten Aktionen.

Welche digitalen Medien halten Sie derzeit für besonders geeignet, die Weiterbildung in den Unternehmen zu aktivieren?

Normalerweise aktivieren wir die Mitarbeiter über einen Virtual Classroom, weil dieses Medium an sich schon sehr interaktiv arbeitet. Dann stehen bereits Videos, eBooks und WBT’s bereit, um je nach Vorlieben „ins Tun zu kommen“. Zusätzlich steht auch immer ein Trainer bzw. ein Moderator bereit; der hilft, wenn es mal nicht gleich weiter geht. Und natürlich dauert es auch seine Zeit, bis eine von den Mitarbeitern getriebene Akademie richtig läuft. Einen Zeithorizont von ein bis zwei Jahren sollten Unternehmen hier einplanen.

Ist virtuelles Lernen Ersatz oder die Voraussetzung für Präsenz-Seminare?

Das hängt vom Thema ab. Nehmen wir mal ein klassisches Service-Thema: Das Kundenberatungsgespräch. Betrachten wir heute und die unmittelbare Zukunft in einem Jahr, so ist virtuelles Lernen – bezogen auf dieses Thema – eine hervorragende Vorbereitung, um im Anschluss daran einen sehr intensiven Praxistag zu erleben. Ich glaube auch, dass wir in ein paar Jahren alle Themen rein virtuell trainieren können. Ob es wirklich Sinn macht, jedes Thema virtuell zu trainieren, ist eine andere Frage.

Welche Themen können denn über eine Mitarbeiter-Akademie sinnvoll trainiert werden?

Im Prinzip gibt es da keine Grenzen. Wir bewegen uns im Bereich des Blended Learnings, also einer Mischung aus klassischem Training und reinem E-Learning; und vielen, vielen Methoden und Techniken dazwischen. Mit anderen Worten: uns steht ein enorm breites Spektrum zur Verfügung. Auf den meisten Akademien entsteht so ein Angebot aus Bereichen wie: Persönlichkeitsentwicklung, Softskills und Verhalten; Qualitätssicherung, betriebswirtschaftliche Kompetenz, gewerblich-technische Fachkompetenz und kaufmännische Fachkompetenz; aber auch Geschäftsprozesse, Produktschulungen und IT-Standardanwendungen. Wir arbeiten hier stark mit den unternehmensinternen Experten und Wissensträgern sowie externen Trainern zusammen, um das unternehmensspezifische Paket zu schnüren.

Angesichts des aktuellen Fachkräfte-Mangels sollte man erwarten, dass potenzielle Kunden Ihrer Dienstleistung besonders aufgeschlossen gegenüberstehen. Entspricht das Ihren Erfahrungen?

Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. Insbesondere der Mittelstand steht heute vor enormen Herausforderungen, was den Erhalt der eigenen Expertise in den kommenden Jahren betrifft. Ist der Mittelstand demgegenüber aufgeschlossen? Ich habe noch keinen Unternehmer gefunden, der nach dem ersten Gespräch nicht begeistert war von den Möglichkeiten, die sich ihm hierbei sofort und zukünftig bieten.

Und mit welchen Argumenten überzeugen Sie in diesem Zusammenhang?

Eine solide Mitarbeiter-Akademie hält bestehende Mitarbeiter im Unternehmen, weil sie sich entwickeln können und Anerkennung für die Weitergabe ihres Expertenwissens erhalten. Eine solide Mitarbeiter-Akademie zieht ausserdem fähige und engagierte junge Leute in ein Unternehmen, da sie hier erkennbar weiter gefördert werden. Unsere Akademien leisten also einen wichtigen Beitrag sowohl Fachkräfte zu gewinnen und zu entwickeln als auch Fachwissen im Unternehmen zu halten. Und nun der wichtigste Punkt: Unsere Akademien wurden so entwickelt, dass sie Kommunikation fördern. Wir wollen, dass die Mitarbeiter über ihr Wissen reden und diskutieren; es gibt kaum eine praxisorientiertere Möglichkeit des Trainierens. Durch die Kommunikation in der Akademie wird das Wissen dauerhaft abgelegt, genauso wie in den klassischen Foren des Internets; mit dem einzigen Unterschied, dass die Mitarbeiter-Akademie ausschliesslich den Mitarbeitern und dem Unternehmen gehört.

Bitte ergänzen Sie folgende Ansätze:

Unternehmen erwarten, dass Weiterbildungsmaßnahmen …
…sich auch wirklich lohnen.

Mitarbeiter in den Unternehmen erwarten, dass Weiterbildungsmassnahmen …
… Spaß machen und sie persönlich weiter bringen.

Um Weiterbildungsmassnahmen aktuell zu halten …
… sollten Unternehmen öfter ihre Mitarbeiter fragen, denn die wissen am besten, was sie benötigen, um noch erfolgreicher zu arbeiten.

Eine Prognose des Weiterbildungsbedarfs …
… Weiterbildungsbedarf wird es immer geben. Die Frage ist eher, wo die Mitarbeiter ihren Bedarf decken, im Kollektiv – also bei Kollegen, Freunden, im Internet etc. , – oder bei einem Trainer. Meine Trendaussage geht eindeutig in Richtung Kollektiv.

Zuletzt noch eine persönliche Frage: Was ist das Entscheidende, das Sie veranlasst, in der Weiterbildung tätig zu sein?
… die Erkenntnis, dass nicht Modelle, Methoden und Prozesse die Unternehmen erfolgreicher machen, sondern ausschließlich ihre Mitarbeiter.

Herr Schwarzgruber, herzlichen Dank für Ihre aufschlussreichen Stellungnahmen.