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Smart Grids – Kontrollierter Energiestatus schafft Potenziale

Ein europäischer Forschungsauftrag für den TÜV Rheinland soll abklären, ob die bestehenden Kommunikationsinfrastrukturen der Telekommunikationsunternehmen für intelligente Stromnetze genutzt werden können – oder besser neue Netze errichtet werden sollten. Das Forschungsprojekt trägt den sinnigen Titel „Energise“ und soll in 27 Monaten eine Übersicht liefern, wie das in den 28 europäischen Mitgliedsstaaten so gesehen wird.

Smart Grids – Basis für das Energiemanagement

Die intelligenten Stromzähler sollen für mehr Transparenz sorgen und einen sparsameren Umgang mit Energie ermöglichen – sie sind per se die Voraussetzung, um intelligente Stromnetze zu schaffen. Ein hochkomplexer Netzbetrieb hat mit einer stetigen, zentralen Stromerzeugung nicht mehr viel gemein – Ziel ist eine dynamische, dezentrale Stromerzeugung, und das nicht zuletzt über umweltfreundliche Technologien.

Smart Grids – Installation braucht konzertierte Aktion

Die Zeit der alten, klassischen Drehscheibenzähler ist definitiv abgelaufen. Nur noch intelligente Geräte sollen genau erfassen, wann wieviel Strom sekundengenau verbraucht wird. Auch der Gas- und Wasserverbrauch kann über die neue Technik gemessen werden. Die Installation neuer Systeme ist in Deutschland seit Januar 2010 Pflicht – in jedem Neubau oder nach grundlegenden Renovierungsarbeiten, aber auch schon bei turnusmäßigen Zählerwechseln. In Italien waren bereits im Jahr 2008 etwa 86 % der Haushaltskunden mit intelligenten Stromzählern ausgestattet, in Schweden sogar zu beinahe 100 % – nach Erkenntnissen der Steria Mummert Consulting AG .

Smart Grids – die Spezifikationen

In der neuen Energiewelt übernehmen die künftigen Messgeräte für Strom und Gas eine Schlüsselfunktion – entsprechende Empfehlungen sind von der Bundesnetzagentur definiert. So können gesetzliche Mindestanforderungen an die Zähler sicherstellen, dass die Geräte kompatibel und für weitere technische Entwicklungen offen sind. Rechtsänderungen sind erforderlich für sogenannte „zeit- und lastvariable“, also für maßgeschneiderte Tarife. Eine Kosten-/Nutzen-Analyse für den Einsatz solcher Messgeräte erfolgt über Flächenversuche.

Smart Grids – der Kundennutzen

Intelligente Stromzähler bieten Endabnehmern mehr Transparenz. Energiekunden haben also die Möglichkeit, den Stromverbrauch selbst zu kontrollieren und zu steuern. Eine genaue monatliche Abrechnung des tatsächlichen Stromverbrauchs ist vergleichbar mit der Telefonrechnung. In Folge ist auch das Sparpotenzial durch den Einbau intelligenter Zähler unmittelbar erkennbar.

Energiemanagement – Dienstleistungen für mehr Energieeffizienz

Energieaudits, die regelmäßig durchgeführt werden müssen, sind für kleine und mittlere Unternehmen bereits verpflichtend geregelt – definiert im Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen (EDL-G).  Der TÜV verweist nun auf mindestens 50.000 weitere deutsche Unternehmen – größer als KMU – für die das Energie-Dienstleistungsgesetz ab 2015 auch verbindlich zu beachten ist.

Energiemanagement – die Zertifizierung

Ein energetisches Erfolgsmodell definiert sich idealerweise als Energiemanagement. Vorausschauende Unternehmen haben dem Energie-Dienstleistungsgesetz bereits genüge getan, wenn sie eine adäquate Zertifizierung für ein Energiemanagementsystem beziehungsweise ein Umweltmanagementsystem vorweisen können.  Bereits in 2012 forderten sowohl die DGQ als auch das DIN und die DQS ein Energiemanagement nach der internationalen Norm ISO 50001 – und bezeichneten  Energieeffizienz als das Gebot der Stunde.

Energiemanagement – ein Gewinn für alle Beteiligten

Während in Privathaushalten das Einsparpotenzial vor allem mit dem Gebäude- und Heizungsbereich korreliert, bringen in der Industrie effiziente Querschnittstechnologien den gewünschten Effekt. Hierzu zählen Technologien, die Dampf und heisses Wasser bereitstellen oder Motoren effizienter einsetzen. Die Reduzierung von Wärmeverlusten durch Dämmung wärmeführender Bauteile, insbesondere bei energieintensiven Industrieanlagen, senkt nicht nur nachhaltig den Energieverbrauch sondern auch die Betriebskosten – gleichzeitig leisten solche Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen und damit zum Klimaschutz. In diesem Sinne wirken auch technologische Verbesserungen im Straßenverkehr, die den Kraftstoffverbrauch für den Transportsektor drastisch reduzieren sollen.

Energiemanagement – die Perspektiven der Energieeffizienz

Der konsequente Einsatz energieeffizienter Massnahmen erscheint als ultimative Lösung. Das Ergebnis einer Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) lässt hieran keine Zweifel aufkommen. Das Fraunhofer ISI geht in der Studie zum Energiebedarf in der EU davon aus, dass bis 2050 energieeffiziente Massnahmen den Energiebedarf um zwei Drittel senken und die Emissionen von Treibhausgasen um 80 % reduzieren können sowie rund 500 Milliarden Euro pro Jahr einzusparen sind. Der besondere Clou: 90% der Energiesparmassnahmen wird hierbei das Potenzial zugeschrieben, sich selbst tragen zu können – sogar Einspargewinne erscheinen denkbar.

Energiemanagement – ein umfassendes Servicegeschäft

Wird dieses als realistisch erkannte Potenzial der Energieeffizienz konsequent ausgeschöpft, beeinflusst das nicht nur den aktuellen und geplanten Betrieb von Kraftwerken. Vielmehr erhält hierdurch auch der Arbeitsmarkt neue Impulse: Facilities, technische Anlagen und technische Systeme sind entsprechend zu ersetzen oder zu modernisieren – nicht zuletzt ein lukratives, internationales Servicegeschäft.

Stromnetz der Zukunft – ein Projekt mit vielen Baustellen

Aktuell stellt das Bundesministerium für Forschung und Energie ihre Forschungsergebnisse und Projekte für zukunftsfähige Stromnetze vor. Die zu erwartenden technischen Lösungen sollen einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten. Mindestens seit 2009 wird intensiv diskutiert, wie das Stromnetz der Zukunft aussehen soll.

Stromnetz – zusammengeführt, vereinheitlicht und ausgebaut

Es gibt verschiedene Wege, ein einheitliches Stromübertragungsnetz in Deutschland zu realisieren – so das Ergebnis einer Studie des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) von 2009. Favorisiert wurde zunächst die Vollfusion aktueller Stromnetze der Netzbetreiber „EnBW Transportnetze AG“, „E.ON Netz GmbH“, „RWE Transportnetz Strom GmbH“ und „Vattenfall Europe Transmission GmbH“.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie verwies auf ökonomische und technische Gründen, die für eine eigentumsrechtliche Fusion sprechen –  um „Synergien zu heben und Kosten zu senken“. Alternativ wurde auch eine verstärkte Koordinierung von Systemfunktionen propagiert, etwa in der Beschaffung und Steuerung von Regelleistung und Regelenergie –  unabhängig von einer eigentumsrechtlichen Zusammenlegung der Stromnetze.

In 2009 trat das Gesetz zur Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungsnetze in Kraft – die Stromnetz-Betreiber sollten schnell investieren. Propagiert wurden 24 vordringliche Leitungsbauvorhaben im Höchstspannungs-Übertragungsnetz (380 kV) – als Basis für die Integration des Stroms aus Windenergie und neuen, hocheffizienten konventionellen Kraftwerken, insbesondere auch für den EU-weiten Stromhandel. Die Netze sollen ausgebaut und erneuert werden, damit der Windenergie-Strom von der Küste in die Verbrauchszentren im Süden und Westen Deutschlands gelangt.

Das Gesetz sieht außerdem den Einsatz von Erdkabeln vor sowie den Einsatz der Hochspannungsgleichstrom – Übertragung (HGÜ) und die Integration neuer Anlagen zur Speicherung elektrischer Energie. Letztere sollen für die Zeitdauer von 10 Jahren von den „Netzentgelten für den Strombezug“ befreit sein. Damit sollen auch Anreize für die Entwicklung neuer Speichertechnologien geschaffen werden, denen bei der Nutzung der Windenergie eine maßgebliche Ausgleichsfunktion zugesprochen wurde.

Stromnetz – die tatsächlich erforderliche Regelleistung

Gemäß dem in 2010 eingeführten, sogenannten Netzregelverbund sind die deutschen Stromnetz-Betreiber verpflichtet, die Stromübertragungsnetze kooperativ ausregeln – das hat die Bundesnetzagentur angeordnet, und geht hierbei davon aus, dass damit eine Kosteneinsparung in dreistelliger Millionenhöhe erreicht werden kann. Die Ersparnis ist plausibel, wenn künftige Ungleichgewichte zwischen Leistung und Verbrauch gemeinsam ausgeglichen werden – denn es ist dann weniger Kraftwerkskapazität als Regelleistung vorzuhalten.

Bislang hatten die einzelnen Regelzonen unabhängig voneinander sowohl Überspeisung als auch Unterspeisung ausgeglichen – so wurde auch ein „Gegeneinanderregeln“ in Kauf genommen und teure Regelenergie unnötig eingeplant. Der angeordnete Netzregelverbund unterbindet das Gegeneinanderregeln vollständig.

Die Leistungsungleichgewichte der einzelnen Regelzonen werden saldiert, sodass nur noch der verbleibende Saldo durch den Einsatz von Regelenergie ausgeglichen werden muss. Auch die Höhe der tatsächlich vorzuhaltenden Regelleistung kann durch den Netzregelverbund reduziert werden, so die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen. Folgegutachten zur Neubemessung der vorzuhaltenden Regelleistung sind vorgesehen.

Stromnetz – leistungsstarke Konzeption

Seit 2012 gibt es den „nationalen Netzentwicklungsplan Strom“. Der Umbau der Stromnetze gilt als zentraler Schritt zur Umsetzung der Energiewende, als Voraussetzung für die Nutzung erneuerbarer Energien – so die Bundesnetzagentur. Geplant ist ein zehnjähriges Projekt zur Sicherstellung der Energieversorgung durch Windenergie, und zwar über leistungsstarke Nord-Süd-Leitungen – hierzu ist eine Optimierung und Verstärkung bestehender Stromnetze vorgesehen. Außerdem soll die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) genutzt werden. In jedem Verfahrensschritt sind die betroffenen Behörden, Verbände und Bürger einzubeziehen.

Um Bedarfsschwankungen im Stromnetz auszugleichen und die fluktuierende Einspeisung des regenerativ erzeugten Stroms zu kompensieren, propagiert beispielsweise der VDI den Einsatz dezentraler Energiespeicher. Zur Optimierung  des Eigenverbrauchs sind diese auch bei Home-Solaranwendungen und Photovoltaik-Inselnetzen angesagt. Ohnehin erscheint ein möglichst hoher Eigenverbrauchsanteil als Schlüssel zu einer dezentralen Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen – realisiert über ein intelligentes Energiemanagement.

Das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) definiert „Smart power“ als kommunikativer Verbund von Erzeugern, Speichern und Verbrauchern – integriert sind dezentrale Energiesysteme wie Windkraftanlagen vor den Küsten, Solarpanels auf den Dächern und Blockheizkraftwerke in den Häusern. Eine abgesicherte Energiewende ist somit ausgerichtet auf ein intelligentes Stromnetz mit intelligenter Infrastruktur und nicht zuletzt einer intelligenten Energienutzung.

Stromnetz –  qualitativ absichern und intelligent schützen

Eine gestörte Energieversorgung ist gegebenenfalls verantwortlich für Geräteausfälle und entsprechend ungeplante Stillstandszeiten – überdies kann die Anwendersicherheit gefährdet sein. Kostspielige Probleme an elektrischen Installationen und Anlagen werden am häufigsten duch eine schlechte Stromnetz-Qualität verursacht, so der Test- und Messgeräteanbieter Fluke. Das Unternehmen verweist auf entsprechende Anzeichen: wie Computerabstürze, flackernde Lampen, ausgelöste Leistungsschalter oder überhitzte Motoren. Außerdem können hierbei auch die Stromkosten aus dem Ruder laufen.

Entsprechende Inspektionen und Fehlersuchverfahren richten sich nach den Vorschriften der europäischen Norm EN 50160. Diese Norm beschreibt die Eigenschaften der elektrischen Energie über den Verlauf der Netzspannung. Zur Bestimmung der Netzqualität werden hierzu sieben Parameter herangezogen: Netzfrequenz, Abweichungen der Versorgungsspannung, Flicker, Unsymmetrie der Versorgungsspannung, Oberschwingungen, Zwischenharmonische und Netzsignale. Die überwachte Anlage wird dann als normgerecht erklärt, wenn im Laufe einer Woche der statistische Wert für die genannten Parameter bei 95 Prozent oder höher liegt.

Der TÜV SÜD kritisiert, dass das Störungspotenzial der intelligenten Stromversorgung unterschätzt wird. Der Dienstleister in Sachen Sicherheit hat offenbar Erkenntnissse, nach denen Unternehmen gegen Störungen und Angriffe auf die Stromversorgung nicht ausreichend geschützt sind. Nicht die generellen Stromausfälle gelten hierbei als größte Schadensverursacher sondern „provozierte Schwankungen“ in der Netzfrequenz und der Netzspannung.  In diesem Sinne fordert der TÜV, funktionale Sicherheit mit IT-Security zu verknüpfen und dem Risiko für „feindliche Angriffe“ anzupassen.

Energiewende – Neue Aspekte und Richtlinien

Ab 2015 gilt ein genereller, ganzheitlicher Ansatz zur Projektförderung von Innovationen im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz – zur Bereitstellung von Energie sowie deren Umwandlung, Transport, Verteilung, Speicherung und Einsatz. Die Ansprechpartner für die Antragsberatung zum Förderthema Energie zeigen sich jedenfalls vorbereitet. Speziell für mittelständische Unternehmen stehen Energieberater bereit, die sich aktuell in eine Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes eintragen können.

Energiewende für Hauseigentümer

Die Energiewende ist gut für ökologische Geldanlagen, meint die UDI Beratungsgesellschaft mbH und geht davon aus, dass ein Hauseigentürmer und Stromnutzer eine Photovoltaik-Anlage nicht mehr selbst kauft, sondern diese auf seinem Dach mietet – und hierfür eine monatliche Nutzungsgebühr zahlt. Generell ist der Zubau von PV-Anlagen jedenfalls rückläufig, was die Sätze für die sogenannte Einspeisevergütung anhebt – und  im umgekehrten Fall senkt. Im Vergleich 2012/2013 hat sich der Zubau von PV-Anlagen um 57% reduziert und im Vergleich 2013/2014 um 43%, wie die Bundesnetzagentur mitteilt.

Energiewende für Unternehmen

Energiewirksame Investitionen im Bereich industrieller Betriebe konzentrieren sich auf energie­sparende und energieeffi­ziente Anlagen und Met­hoden – diese sind im Jahr 2012 immerhin um 44 % gestiegen, wie Destatis analysiert hat. Der Einfluß der Instandhaltung auf die Energiewende zeigt sich unverändert in der Notwendigkeit, energiespezifische Instandhaltungsmaßnahmen bei Maschinen und Anlagen kontinuierlich zu realisieren – etwa im Bereich der technischen Dämmung.

Energiewende – Status Netzausbau

Was den Netzausbau betrifft, gilt der aktuelle Antrag zum „Vorhaben  Nr. 4/ Südlink“ als einer der Eckpfeiler des künftigen Übertragungsnetzes. Eine Übersicht der Leistungsvorhaben aus dem Bundesbedarfsplangesetz lässt erkennen, welch geringer Anteil derzeit genehmigt beziehungsweise im Bau ist.

Energiewende – Flexibilisierung konventioneller Kraftwerke

Neben den erneuerbaren Energien ist weiterhin auch der Umgang mit konventionellen Kraftwerken zu definieren, die bekanntlich auf Dauerbetrieb konzipiert sind. Für einen erforderlichen flexiblen Betrieb stehen sie bislang nicht zur Verfügung, da häufiges Anfahren und Herunterfahren entsprechende Komponenten über das primär spezifizierte Ausmaß belastet. Einen interessanten Ansatz, den Bestand an konventionellen Kraftwerken für eine flexiblere Nutzung fit zu machen verfolgt der TÜV Nord in Kooperation mit der Universität Rostock.  Ein Forschungsprojekt ist darauf ausgerichtet, relevante Bauteile resistenter auszulegen. Ergebnisse sollen bis Ende 2016 vorliegen – dann könnten entsprechende Nachrüstungen projektiert werden.

Energetische Einsparpotenziale heben – es rechnet sich

Energieffizienz ist und bleibt für Produktionsbetriebe ein nicht zu unterschätzender Faktor. Über energetische Einsparpotenziale lassen sich nicht nur innerbetriebliche Kosten senken, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit steigern – selbst bei etwas längeren Amortisationszeiten für eventuell erforderliche Investitionen. Wir befragen hierzu Heiko Fleischhacker, der im Bereich von Druckluftsystemen energetische Einsparpotenziale für entsprechende Produktionsbetriebe aufdeckt. Heiko Fleischhacker ist Spezialist für Energy Saving Services bei der Festo AG & Co. KG.

Herr Fleischhacker, liegt die Einsparung von Energie in Produktionsbetrieben im Trend?

Ja, das kann ich bestätigen. Die vielfältigen Möglichkeiten und die teilweise sehr hohen, energetischen Einsparpotenziale unterstützen diesen Trend.

Gibt es Unternehmen, die trotzdem zurückhaltender sind als andere?

Pauschal kann man dies nicht sagen, hier kommt es vielmehr auf die Philosophie an, welche ein Unternehmen verfolgt. Hat die Einsparung von Energie eine hohe Priorität, werden Projekte in diesem Bereich auch eher umgesetzt – prinzipiell liegt dann der Fokus zuerst auf den „Quick Win“-Projekten.

Wie verhalten sich die Branchen?

Weltweit betrachtet, sind alle Branchen mit Projekten im Bereich „Festo Energy Saving Services“ vertreten. Im Moment laufen viele Projekte im Bereich „Food & Beverages“, aber auch im Bereich „Pharma“ gibt es einige große Projekte. Der „Automotiv-Bereich“ bildet aus europäischer Sicht das Schlußlicht.

Inwieweit resultieren energetische Einsparpotenziale aus einer vernachlässigten Instandhaltung?

Die Instandhaltung trifft in den meisten Fällen keine Schuld – von einer vernachlässigten Instandhaltung ist in der Regel nicht auszugehen. Allerdings sind Leckagen in vielen Betrieben leider immer noch ein sehr vernachlässigtes Thema. Instandhalter können hierbei unterstützen – doch in den meisten Betrieben sind Instandhalter hochspezialisierte Kollegen, die gar keine Zeit bekommen, um nach Leckagen zu suchen und diese zu beseitigen.

Lassen sich noch weitere energetische Einsparpotenziale heben?

Es gibt vielfältige Einsparpotenziale, die wir mit unseren Services aufdecken und beziffern. Energetische Einsparpotenziale reichen von einer falsch ausgelegten und somit ineffizienten Druckluftstation über eine „unsinnige“ und teure Aufbereitung, bis hin zu einer falsch dimensionierten Verteilung. Teilweise enorm ist auch das Einsparpotenzial, das sich aufgrund falsch ausgelegter Komponenten oder der Auswahl des „falschen“ Antriebskonzeptes definieren läßt.

Ihre Services resultieren aus mangelhafter Konzeption, Integration und Modifikation von Anlagen?

Teilweise ist das so. Im Bereich der Maschinenoptimierung wird eventuell festgestellt, dass eine Maschine von vornherein energetisch nicht optimal konzipiert und montiert wurde. Außerdem unterliegen Anlagen diversen Veränderungen – vor allem im Bereich der Erzeugung, Aufbereitung und Verteilung von Druckluft. So kann sich ein ursprünglich optimal ausgelegtes Druckluftnetz nach einigen Jahren als „zu klein“ erweisen und ist somit energetisch betrachtet als „schlecht“ zu bewerten.

Wie groß sind energetische Einsparpotenziale in den Betrieben und wie schnell lassen sich diese ermitteln?

Wie hoch die Einsparpotenziale sind, kann man pauschal schwer sagen. Dies hängt davon ab, wie lange und intensiv sich ein Unternehmen mit diesem Thema schon beschäftigt hat. Bei den Leckagen gibt es beispielsweise ein Potenzial von 10% bis über 30% der erzeugten Druckluft. Über ein Pre-Audit kann das Potenzial im Druckluftsystem ermittelt und beziffert werden – wofür wir einen Tag ansetzen. Hierbei wird das Druckluftsystem von der Erzeugung über die Aufbereitung und Verteilung bis zu den Anwendungen begutachtet und bewertet. Ebenso fließen die Ergebnisse der Druckluftqualitätsmessung und der Druckabfallmessung in den nach „ISO 11011“ konformen Bericht mit ein. Dieser Abschlußbericht umfaßt dann alle möglichen Einsparpotenziale in Euro, erzeugter Druckluft (m³/min) und benötigter Energie (kWh).

Wie reagieren Betreiber auf diese Berichte?

Sehr positiv: Wir stellen den Betreibern alle Daten zur Verfügung, sodass diese die Berichte nachvollziehen können und sehen, dass die Zahlen nicht „aus der Luft gegriffen“ sind. Die Berichte stellen eine Entscheidungshilfe für das weitere Vorgehen dar und verpflichten den jeweiligen Betreiber zu nichts.

Wie hoch ist die Umsetzungsrate?

Auch hier ist eine Pauschalisierung nicht möglich. Da wir mit einem Pre-Audit unterschiedliche Möglichkeiten zur Energieeinsparung aufzeigen, werden natürlich nicht all diese Maßnahmen umgesetzt – zumindest im ersten Schritt. Wenn aber in den Unternehmen Budget für Energiesparmaßnahmen vorhanden ist und die Amortisationszeit bei < 14 Monaten liegt, dann ist die Umsetzungsrate für Einzelmaßnahmen annähernd 90%.

Sind höhere Energiepreise geeignet, energieeffiziente Investitionen anzuschieben?

Nein, das macht keinen Sinn. Eine generelle Verteuerung der Energie führt meines Erachtens meist nur zu einer Mehrbelastung der Unternehmen – mit der Folge, dass weniger Bereitschaft besteht,  energieeffiziente Investitionen zu realisieren.

In welchem Verhältnis stehen energetische Einsparpotenziale zu dem entsprechenden Aufwand, Energieeffizienz herzustellen?

Auch hier muss man sehen, welche Maßnahmen für welches Werk sinnvoll sind. Wenn wir uns beispielsweise die Leckageortung und die Leckagebeseitigung anschauen, konnten wir in Deutschland über alle realisierten Projekte, eine Amortisationszeit von 6 bis 14 Monaten realisieren. Wenn aber der Druckabfall im Druckluftnetz das höchste Einsparpotenzial birgt, können selten Amortisationszeiten von unter 7 Jahren erreicht werden – was sich aber immer noch rechnen kann.

Wenn man mehr von Ihnen über energetische Einsparpotenziale erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Am einfachsten ist der direkte Kontakt mit den entsprechenden Spezialisten bei uns im Hause. Dies wäre für Deutschland Herr Thomas Heumüller oder aber auch der direkte Kontakt mit mir auf der „IFC EBERT-Tagung Instandhaltung 2014“.

Herr Fleischhacker, herzlichen Dank für die informativen Einblicke in Ihre „Energy Saving Services“.

Energieeffizienz von Gebäuden – Nullenergiehaus ist Maßstab

Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden werden als lohnenswert bezeichnet und gelten als Renditemodelle der Zukunft – vorausgesetzt, man akzeptiert den Erfolg als Fernziel, das im Übrigen auch nur mit großen Anstrengungen zu erreichen ist. Eckpunkte einer ganzheitlichen Gebäudestrategie gelten als Teil des „Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz“ der deutschen Bundesregierung.

Die Energiewende im Gebäudebereich kann über marktwirtschaftliche Anreize erreicht werden – unter Zwang eher nicht. So die Meinung von Vertretern aus Industrie, Wirtschaft, Umweltverbänden, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und den deutschen Bundesländern, die sich der „Energiewende-Plattform Gebäude“ verpflichtet haben.

Energieeffizienz von Gebäuden im Defizit

An energieeffizienten Lösungen mangelt es nicht – an vermeintlichen oder tatsächlichen Hindernissen, die einer Umsetzung entgegenstehen, offenbar aber auch nicht. Nachweislich werden immer noch Energie und finanzielle Mittel verschwendet und Tonnen von vermeidbarem CO2 produziert.

Neben einzelnen, energieeffizienten Vorkehrungen im Gebäudebereich, empfiehlt das Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik („VdZ„) auch umfangreiche Maßnahmen – etwa den Komplettaustausch der Heizungsanlage, den Einbau einer Lüftungsanlage, die Integration voreinstellbarer Thermostatventile oder auch den Einbau von Hocheffizienzpumpen zur Optimierung der Wärmeverteilung.

Im Bereich der rund 18 Mio. Wohngebäude in Deutschland können – nach dem VdZ – allein durch die Modernisierung der Heizungsanlage auf ein technisch machbares Niveau ca. 15 Prozent des gesamtdeutschen Endenergieverbrauchs im Jahr eingespart werden.

Energieeffizienz von Gebäuden ist europaweit zu verbessern

Die Neufassung der EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden wurde 2009 gestartet. Die Energieeffizienz von Gebäuden soll europaweit verbessert werden – immerhin entfallen rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in der EU auf den Gebäudebereich. Insofern leisten energieeffiziente Gebäude einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Bewältigung tendenziell steigender Energiepreise und nicht zuletzt zum Klimaschutz.

Die EU-Mitgliedstaaten sollen nationale Mindeststandards festsetzen – im Hinbick auf Neubauten, umfassende Sanierungen sowie bei der Erneuerung wesentlicher Bauteile. Nationale Standards sollen sich möglichst an einer europaweiten Vergleichsmethode ausrichten.

Weiterhin gilt für alle Neubauten ab 2020 – bei öffentlichen Gebäuden ab 2019 – , dass sie höchsten Energieeffizienzstandards entsprechen müssen. Insbesondere soll der verbleibende Heiz- bzw. Kühlbedarf zu wesentlichen Teilen durch erneuerbare Energien gedeckt werden.

In gewerblichen Immobilienanzeigen informiert die Energiekennzahl über die Energieeffizienz von Gebäuden. Der bedarfs- und verbrauchsorientierte Energieausweis gilt als Nachweis gegenüber Mietern und Käufern.

Maßstab der Energieeffizienz von Gebäuden ist das Nullenergiehaus

Für den Betrieb eines sogenannten Netto-Nullenergiegebäudes sollte die gesamte Energie aus regenerativen Energiequellen am Gebäude stammen. Eine Fotovoltaikanlage auf der Dachfläche ist zuständig für die Stromerzeugung, eine Wärmepumpe kann Energie aus dem Grundwasser für die Gebäudeheizung gewinnen.

Das Umweltbundesamt (UBA) hat demonstriert, was man unter einem Nullenergiehaus zu verstehen hat. Das neu erstellte UBA-Gebäude entspricht bereits den schärfsten Anforderungen der europäischen Gebäuderichtlinie für Neubauten der öffentlichen Hand. Für das 2013 fertiggestellte  UBA-Gebäude wird mit einem Heizenergiebedarf gerechnet, der unter 15 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr liegt.

Energieeffizienz vergleichen – Mit effizienter Energienutzung Vorteile schaffen

Es ist nicht nur hilfreich sondern auch sinnvoll, sich eine Übersicht zur Effizienz im Energie-Dschungel zu verschaffen – schon um wichtige Entwicklungen nicht zu verpassen. Wie das realisiert werden kann, demonstriert beispielsweise die Deutsche Energie-Agentur mit einem Wegweiser zu Energiedienstleistungen und Maßnahmen zur Energieeffizienz. Der Wegweiser soll sowohl den Ansprüchen von Hauseigentümern genügen als auch für Unternehmen, Experten und Anbieter von Produkten und Dienstleistungen relevante Informationen bereithalten.

Energieeffizienz vergleichen – Kennzahlen nachfragen

Potenzielle Mieter und Käufer von Wohnungen und Wohngebäuden können sich seit 01.05.2014 deren energieeffiziente Gestaltung nachweisen lassen. Inserate im Wohnungsmarkt müssen Kennzahlen offenbaren, aus denen sich entsprechende energiespezifische Betriebskosten ableiten lassen. Nach der Deutschen Energie-Agentur (dena) sind diese Angaben dem Energieausweis zu entnehmen:

  • Baujahr des Gebäudes,
  • Nachweis, ob auf den Energiebedarf oder den Energieverbrauch Bezug genommen wird,
  • Angabe des Bedarfs oder Verbrauchs an Endenergie in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr,
  • Angabe des Bedarfs oder Verbrauchs an Endenergie zur Heizung sowie deren wesentlicher Energieträger – gegebenenfalls auch Angabe der Effizienzklasse.

Es ist zu erwarten, dass durch die kontinuierliche Offenlegung energiespezifischer Daten auch der Grad erreichter Energieeffizienz stärker als bisher wahrgenommen wird – und der kontinuierliche Vergleich entsprechender Betriebskosten möglicherweise auch weitere Maßnahmen zur energetischen Gebäudesanierung provoziert.  Eine energieeffiziente Sanierung von Wohngebäuden muss sich natürlich auch auszahlen – kein Problem, denn Energieeffiziente Wirtschaftlichkeit läßt sich berechnen.

Energieeffizienz vergleichen – Energiekonzepte offenlegen

Es gibt Bemühungen, die Energieeffizienz in den Unternehmen voranzutreiben – Anreize inbegriffen. Dass eine effiziente Energienutzung essenzieller Bestandteil im zukünftigen Energiekonzept eines Unternehmens ist, wird wohl niemand bestreiten. Gleichwohl ist auch hier kein Selbstläufer zu erwarten. Um entsprechende Aktivitäten zu provozieren, wird im einfachsten Fall ein Efficiency Award ausgelobt, der entsprechende industrielle und gewerbliche Projekte auszeichnet – Unternehmen können sich bewerben: Energy Efficiency Award 2014

Energieeffizienz vergleichen – Trends beobachten

Man darf die Aktivitäten zur Energieefizienz nicht unterschätzen – Patente für klimaschonende Energieversorgung sind seit einiger Zeit im Trend. Ungeachtet kontroverser Diskussionen, rund um eine klimaschonende Energieversorgung, werden im Hintergrund Besitzstände geschaffen. Bezogen auf alle weltweit registrierten Patente der vergangenen 25 Jahre, sollen Klimaschutzpatente mittlerweile einen Anteil von 6% ausmachen. Eine aufschlussreiche Studie hierzu präsentiert das ifo-institut. Im Ranking der wichtigsten Investoren in eine auf Energieeffizienz ausgerichtete Forschung und Entwicklung führt bisher die USA, gefolgt von Japan, Deutschland, Frankreich und Kanada.