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Mitarbeiterorientierte Produktivitätssteigerung – Anreize und Vorgaben

Eine möglichst hohe Produktivität ist und bleibt vorrangiger Zielpunkt einer Betriebsoptimierung. Es geht hierbei nicht nur um kontinuierlich angestrebte Verbesserungen. Vielmehr können bestimmte Umstände auch besondere Anstrengungen zur Produktivitätssteigerung erforderlich machen – etwa Rationalisierungsgründe oder eine zu steigernde Produktionskapazität. Andreas Beyerle-Köster, Sales Director  der Bilfinger Maintenance GmbH, setzt in jedem Fall auf die verstärkte Einbindung von Mitarbeitern.

Herr Beyerle-Köster – wie definieren Sie die Produktivität der Instandhaltung?

Die Produktivität in der Instandhaltung ist die Produktivität der Produktionsanlagen. Aus unserer Sicht kann die Instandhaltung nicht nur zur Verbesserung der Anlagenverfügbarkeit beitragen sondern auch zur Prozessgeschwindigkeit oder Prozessstabilität und zur Produktqualität. Wir sehen die Instandhaltung also in der Mitverantwortung, alle Elemente der sogenannten „Overall Equipment Effectivness“ (OEE) gemeinsam mit der Produktion zu verbessern.

… inwieweit erscheint es sinnvoll, Mitarbeitern der Produktion auch Instandhaltungsaktivitäten zu übertragen?

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. So können sich die Anlagenbediener mit ihren Anlagen identifizieren, diese besser kennenlernen und Fehler beziehungsweise nahende Ausfälle bereits in der Entstehungsphase erkennen. Insbesondere dann, wenn wir als Dienstleister für die komplette Instandhaltung verantwortlich sind, ist es für uns wichtig, dass wir über solche TPM-Konzepte zu einer guten Zusammenarbeit mit den Anlagenbedienern kommen.

Welche Anreize sind für den individuellen Instandhalter relevant, um produktiver zu arbeiten?

Aus unserer Sicht sind das beispielsweise die Anzahl von Verbesserungsmaßnahmen und die Anzahl gemeldeter, gefährlicher Situationen, im Sinne der Arbeitssicherheit. Hinzu kommen eine adäquate moderne Arbeitsumgebung – etwa durch eine mobile Instandhaltungssoftware, sowie die Rückmeldung zur Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen. Weitere sehr wichtige Anreize sind Leistungsanerkennung und fachliche Weiterbildungsmöglichkeiten. Wichtig ist, dass der individuell als Facharbeiter tätige Instandhalter diese Anreize, die als Kennzahlen gemessen werden, auch direkt beeinflussen kann.

… welchen Vorgaben unterliegt die Beeinflussung von Kennzahlen?

Kennzahlen sind nie Selbstzweck. Neben dem momentanen Ist-Wert muss es immer einen Zielwert geben. Es ist Aufgabe des Instandhaltungsleiters, hieraus konkrete Maßnahmen abzuleiten, um die Ziele zu erreichen. Diese Ziele sollten sich darauf fokussieren, Kosten zu senken, Anlagenproduktivität zu steigern und die Anlagen- und Arbeitssicherheit zu erhöhen. Hierbei spielen natürlich auch Zeitvorgaben und Termine eine wichtige Rolle, um solche Verbesserungsprozesse zu überwachen.

… und welche konkreten Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung haben derzeit Konjunktur?

Momentan boomt die Wirtschaft und es fehlen Fachkräfte. Daher haben alle Maßnahmen „Konjunktur“, die geeignet sind, die Anlagenproduktivität zu steigern, ohne dabei den erforderlichen  Ressourceneinsatz, wie beispielsweise  weitere Produktionsschichten, zu erhöhen. In diesem Zusammenhang wundert es mich immer wieder, dass in vielen Unternehmen die Ist-Produktivität (OEE) und die Kosten von Ausfällen nicht transparent sind.

Haben sich Leistungsprämien bewährt?

Individuelle Leistung in der Instandhaltung zu messen, ist aus unserer Erfahrung sehr schwierig. Wir halten es nicht für praktikabel oder sinnvoll, jeden Verbesserungsvorschlag aus der Instandhaltung im Rahmen eines mitbestimmungspflichtigen Verbesserungsvorschlagswesen zu prämieren. Für praktikabel halten wir hingegen eine Mischung aus Gruppenprämien und individuellen Jahresprämien, etwa im Hinblick auf die Anlagenverfügbarkeit und Anlagenproduktivität. Das Gleiche gilt für Zulagen auf Grundlage der Summe an vorgeschlagenen Verbesserungsmaßnahmen oder gemeldeten gefährlichen Situationen.

Welche Rolle spielt Wissensmanagement in der Instandhaltung?

Wissensmanagement ist der Schlüssel für eine professionelle Instandhaltung. Hierbei geht es um den Wissenstransfer zwischen den Kollegen der verschiedenen Instandhaltungsgruppen – also zwischen den Kollegen der verschiedenen Entstörungsschichten und der Wartungsgruppe, sowie zwischen Jung und Alt. Realisiert werden kann das nur in einem Betriebsklima, das die Teamarbeit fördert. Honoriert wird dann nicht das „Firefighting“ sondern die Problemstrukturierung und Lösungssuche. Voraussetzung ist allerdings, dass eine intuitive, mobile IT zur Verfügung steht, um Wissen einfach zu dokumentieren und abzurufen.

In welchen Bereichen sind externe Experten von Bedeutung?

Externe Instandhaltungsdienstleister bieten Vorteile, wenn sie Spezialwissen preiswerter, einfacher und schneller zur Verfügung stellen können, als dies einer betriebsinternen Instandhaltung möglich ist. Je nach Größe der Instandhaltungsabteilung werden externe Experten beispielsweise im Bereich der Automation benötigt. Auch im Bereich „Reliability Engineering“ oder Betreiberverantwortung, beziehungsweise Betriebssicherheitsverordnung, wird häufig auf externe Experten zurückgegriffen. Hersteller-Know- how ist gefordert, wenn es sich um Spezialanlagen handelt.

Wenn man mehr von Ihnen über Produktivitätssteigerung erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Als Dienstleister favorisieren wir das unverbindliche Gespräch vor Ort beim Kunden. Ausgehend von entsprechenden Herausforderungen, diskutieren wir gemeinsam, wie wir den Kunden in dessen Betrieb unterstützen können. Basis hierfür sind unser „Bilfinger Maintenance Concept BMC“ und verschiedene „Partnerschaftsmodelle“. Empfehlenswert ist unser „Bilfinger Maintenance Radar“ im Internet – für jeden, der sich vorab informieren möchte.

Herr Beyerle-Köster, herzlichen Dank für Ihre informativen Hinweise zur mitarbeiterorientierten Produktivitätssteigerung.

Grenzüberschreitender Dienstleistungshandel – Dienstleistungen exportfähig machen

Das „ifo Institut“ propagiert den verstärkten grenzüberschreitenden Dienstleistungshandel durch „Spezialisierung und Ausnutzung von Größenvorteilen – sowohl zur Realisierung  klassischer Gewinne als auch zur Abmilderung der Effekte des Arbeitskräftemangels“. Obwohl hilfreiche Dienstleistungen in der Regel gerne angenommen werden, gibt es bei der Vermarktung von Dienstleistungen bekanntlich immer Erklärungsbedarf. Insbesondere ist die Plausibilität von Servicepreisen zu rechtfertigen – erst recht im grenzüberschreitenden Angebot. Generell gilt, weder die billigste noch die teuerste Leistung ist ohne ausreichenden Nutzen verkäuflich. Und ein „unverzichtbarer Service“ verkauft sich in der Regel leichter als ein „Nice-to-have-Service“. Ob bestimmte Dienstleistungen überhaupt exportfähig sind, ist eine ganz andere Frage. Nachfolgend ein Blick auf diverse Dienstleistungsbereiche.

Grenzüberschreitendes Servicemanagement

Um Dienstleistungshandel erfolgreich zu realisieren, müssen die aktuell gültigen Reglements und Konditionen in den Zielländern beachtet werden. Das heisst, ein bislang regional tätiges Dienstleistungsunternehmen muss sich gegebenenfalls veränderten Bedingungen anpassen. Nicht zuletzt ist zu klären, ob eigene Arbeitskräfte entsandt werden sollen oder auch neue Mitarbeiter aus dem Zielland eingesetzt werden können. Das gilt natürlich sowohl für den Export als auch für den Import von Dienstleistungen.

Grenzüberschreitende Behördenarbeit

Dienstleistungen zwischen Behörden werden in Ländern angeboten, um dortige Behörden bei projektspezifischer Aufbauarbeit zu unterstützen. Bislang hat sich das sogenannte „Twinning“ bewährt. Grenzüberschreitende Partnerschaften zwischen Behörden dienten ursprünglich der Unterstützung zukünftiger europäischer Mitgliedstaaten, um europäische Rechtsvorschriften umzusetzen. In bestimmten europäischen Mitgliedstaaten wird „Twinning“ mittlerweile als unerwünschte  Einmischung betrachtet, wenn auf entsprechend nonkonformes Verhalten hingewiesen wird. Darüber hinaus wird das Twinning-Konzept auch in Staaten angeboten, die an die EU angrenzen.

Grenzüberschreitender  Cyber Defense

Eine existentielle Dienstleistung für weltweit agierende Unternehmen ist die Cyberabwehr. Das Aufspüren von Cyber-Angriffen setzt auf intelligente Analysewerkzeuge, um entsprechende Verhaltensmuster in Echtzeit zu erkennen und unmittelbar Gegenmaßnahmen einzuleiten. Größere Unternehmen etablieren entsprechende Systeme in der Regel selbst. Alternativ stehen einschlägige Services externer Dienstleister zur Verfügung.

Grenzüberschreitende Sicherheitsdienste

Menschen, Strukturen und Sachwerte beanspruchen ein bestimmtes Maß an Sicherheit. Aktuell erscheint dieser Bedarf steigend, wenn man die weltweit eskalierenden Risiken berücksichtigt. Sicherheit ist kein statisches Gut sondern folgt einem dynamischen Prozess auf einem vereinbarten Niveau – gestützt durch personelle Sicherheitsdienstleistungen und technische Sicherheitssysteme im weitesten Sinn. Problematisch ist, wenn eigene Sicherheitsmassnahmen für andere bedrohlich wirken und somit Konflikte verursachen. In Folge sind Lösungen von Sicherheitskonflikten die eigentlichen Sicherheitsdienste.

Grenzüberschreitende Dienstleistungsberatung

Auslandshandelskammern sind Protagonisten im Dienstleistungshandel und etablierte  Anbieter folgender grenzüberschreitender Dienstleistungen:

  • Kontaktrecherche und Geschäftspartnervermittlung
  • Auskunft zu Steuerfragen und steuerliche Vertretung
  • Rechtsauskunft und Zollauskunft
  • Unterstützung bei Firmengründungen
  • Standortanalyse und Marktstudie
  • Messedienstleistungen
  • Vermittlung von Personal

Die Auslandshandelskammern unterstützen die internationale Ausrichtung deutscher Unternehmen – an ca. 120 Standorten in 80 Ländern.

Grenzüberschreitende Finanzdienste

In 2013 hat die EU-Kommission ein Maßnahmenpaket für mehr Verbraucherschutz bei Finanzdienstleistungen vorgelegt. So sind etwa die Sicherstellung günstiger und transparenter Bankkonten oder die verpflichtende Aufklärung über die Risiken von Finanzanlagen mittlerweile obligatorisch. Inwieweit dieser Schutz bei der weltweit vorangetriebenen Abschaffung des Bargelds ausreichend ist, darf bezweifelt werden. Eine alternativlose Abhängigkeit vom digitalen Zahlungsverkehr ermöglicht eine durchgängig transparente Einsicht in persönliche Kontobewegungen – auch für „Interessenten“. Autokratisch geführte Regierungen hätten einen extrem starken Hebel, um unliebsame Oppositionelle ihrer Existenz zu berauben – einfach durch Kontolöschung. Und ein „Bankencrash“ würde naturgemäss jeden Zahlungsverkehr blockieren. Übrigens – wer sich über Finanzdienstleistungen beschweren möchte, kann sich an die deutsche Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wenden.

Grenzüberschreitendes Social Media Marketing

Es gilt, unternehmerische Aktivitäten zu unterstützen, um Umsatzquellen zu sichern und neue zu erschliessen. Hierzu werden Informationen aus unterschiedlichen Quellen miteinander verbunden und im Kontext analysiert. Ziel ist, anhand von Daten die Bedürfnisse und Gewohnheiten von Kunden besser zu verstehen und für jede Situation einen adäquaten Service zu bieten. Somit begünstigen Kontext-Dienste das wirtschaftliche Umfeld – vorausgesetzt, die digitalen Spuren potenzieller Kunden sind und bleiben signifikant.

Grenzüberschreitendes industrielles Outsourcing

Die Kernkompetenz der Industriedienstleister liegt naturgemäß bei den Instandhaltungsaktivitäten, sowie den Umbauten und Wartungen. Etablierte Industriedienstleister haben es offensichtlich besonders gut verstanden, Betreiber der Produktionsanlagen von ihren externen Dienstleistungen zu überzeugen. Entsprechende Betreiber vermeiden es dann auch, ihre Entscheidung „pro Outsourcing“ wieder umzukehren. Trotzdem bleiben auch interne Instandhaltungsorganisationen weiterhin selbstbewusst auf Kurs.

Lifecycle im Griff – Service mit Verfügbarkeitsgarantie

Ein möglichst langfristiger Lifecycle technischer Produkte gilt durchaus als Kernanliegen in den Produktionsbetrieben – vorausgesetzt, die technisch mögliche Nutzungsdauer korreliert sinnvoll mit der wirtschaftlichen und rechtlichen Nutzungsdauer. Zu beachten hierbei sind etwa die gewünschte Produktivität, der Instandhaltungsaufwand, der effiziente Umgang mit Energie, sowie Auflagen zur Sicherheit und produktspezifische Umweltauflagen.

Im Hinblick auf den „Start“ und das geplante „Ende“ eines Systembetriebs sind diverse Szenarien denkbar. Ob ein adäquates Product-Lifecycle-Management erfolgreich durchgeführt werden kann, hängt davon ab, wie entsprechende Konzepte, Prozesse und Informationen zusammengeführt werden. Unbedingt zu berücksichtigen sind individuell anzupassende Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit und entsprechende Modernisierungsangebote – einschließlich einer möglichst langfristigen Verfügbarkeit relevanter Ersatzteile.

Lifecycle – durch Service abgesichert

Im Rahmen des Product-Lifecycle-Managements hat der Service ein ganz besonderes Interesse, produktspezifisch bedingte Problemsituationen präventiv zu vermeiden. Hierzu sollten technische Systeme servicefreundlich konzipiert sein – als zwingende Voraussetzung, Service auch kundenfreundlich gestalten zu können. Umgesetzt über nachhaltig wirksame Leistungen und Lösungen, fällt es Serviceanbietern bedeutend leichter, die Verantwortung für den systemspezifischen Lebenszyklus zu übernehmen.

Generell bietet das Lifecycle Management grundsätzliche Ansätze zur systematischen Gestaltung neuer Geschäftsmodelle im Service- und Dienstleistungsbereich – zuverlässige Produkte gibt es nicht zum Nulltarif. Jede Maßnahme zur Verlängerung, Stabilisierung und Verbesserung der produktspezifischen Lebensdauer erhöht naturgemäß die Kosten – was sich in der Regel preislich auswirkt. Mit der Akzeptanz der Kunden dürfen Serviceanbieter rechnen, wenn der entsprechende Nutzen plausibel ist und garantiert wird. Nicht zuletzt korreliert der Preis für eine dauerhaft hohe Verfügbarkeit mit den kundenspezifischen Ausfallkosten pro Zeiteinheit – insbesondere dann, wenn der Dienstleister das Ausfallrisiko übernimmt und sich gegebenenfalls gegen Schadensersatzforderungen absichern muss.

Ein gepflegter Lifecycle hängt ab von der vereinbarten Verfügbarkeitsgarantie und einer adäquaten Vergütung. Service überwacht den Produktlebenszyklus und sichert diesen ab. Aktivitäten, die den geplanten Produktlebenszyklus begleiten, werden von einer verantwortungsbewussten Serviceorganisation kontinuierlich und bedarfsgerecht wahrgenommen. Einflüsse, die den geplanten Produktlebenszyklus stören oder voraussichtlich stören könnten, werden zeitnah erfasst und neutralisiert.

Datenschutzgrundverordnung – Abonnenten Servicereport

Sehr geehrte Abonnentin, sehr geehrter Abonnent,

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Wir nehmen diese Gelegenheit zum Anlass, und bedanken uns herzlich bei jedem Abonnenten und jeder Abonnentin für das entgegengebrachte Interesse und Vertrauen.

Mit besten Grüßen
Lutz Breunig

Fahrdienstleitung nach Regelwerk – Kein Schutz vor Fehlentscheidungen

Nicht schon wieder! Ein erneutes Zugunglück bei der Deutschen Bahn erinnert schlagartig an den Zusammenstoß zweier Züge in 2016. Die publizierten Hintergründe verweisen schon jetzt auf ein mögliches Versagen der Fahrdienstleitung. Und damit werden wohl die gleichen Fragen gestellt, wie sie vor zwei Jahren bereits gestellt wurden – ergänzt mit Fragen zu den bis dato unternommenen Verbesserungen. Insbesondere wird zu klären sein, inwieweit mittlerweile Überwachungssysteme realisiert sind,  die menschliches Fehlverhalten rechtzeitig neutralisieren könnten.

Hintergründe des Zugunglücks von 2016

Ein Fahrdienstleiter der Bahn hatte ein Signal gegeben, das er nicht rotlicht-schrankehätte geben dürfen und damit auf einer eingleisigen Strecke den Zusammenstoß zweier Züge verursacht. Zunächst war die Rede von einem „Sondersignal“, womit ein Rotlicht außer Kraft gesetzt wurde. Dieses Sondersignal wurde präzisiert: Es soll sich hierbei um ein sogenanntes Ersatzsignal handeln, das nur mit mehreren Handgriffen ausgelöst werden kann – wobei „besondere Schalter und Taster“ zu betätigen sind.

Fahrdienstleitung und menschliche Fehlentscheidungen

Wenn sich der Fahrdienstleiter pflichtgemäß, also regelgerecht verhalten hätte, wäre es nicht zum Zusammenstoß gekommen – so die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft. Damit ist die Ursache dieses Unglücks als fahrlässiges Verhalten deklariert – ausgelöst durch einen falsch ausgewählten Steuerungsprozess. Spätestens jetzt sollte sich der geneigte Leser fragen, wann er den letzten beruflichen „Blackout“ hatte. Ein Mensch ist nun mal keine Maschine, soviel steht fest – und Fehlentscheidungen können auch nach bestem Wissen und Gewissen getroffen werden. Dabei gibt es eine einfache Maßnahme, die menschliches Versagen drastisch reduzieren kann: das Vier-Augen-Prinzip. Und es drängt sich die Frage auf, ob sich die Fahrdienstleiter benachbarter Stellwerke in ihren Entscheidungen abstimmen.

Fahrdienstleitung und technische Unzulänglichkeiten

„Die Bahnstrecke ist technisch gut abgesichert und die Technik hat funktioniert“ – so der Tenor der Analysten dieser Katastrophe. Trotzdem will man überlegen, ob es weitere Möglichkeiten gibt, ein solches Unglück zu verhindern. Allerdings sind solche Überlegungen schon sehr weit fortgeschritten, denn bereits in 2010 hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein Anti-Kollisionssystem für Züge vorgestellt: RCAS ist ein System zur Vermeidung von Zugkollisionen, das unabhängig von Sicherungstechnik entlang der Strecke funktioniert. Der Zweck liegt auf der Hand – man braucht Überwachungssysteme, die menschliches Fehlverhalten rechtzeitig neutralisieren – insbesondere bei fehlgesteuerten Prozessen, die in kürzester Zeit in eine Katastrophe führen können. In der bereits realisierten Technik autonomer Verkehrssysteme wird jedenfalls versucht, menschliches Fehlverhalten weitgehend auszuschließen.

Unzureichende Problemlösung

Mindestens seit 2013 sind bahnspezifische Probleme der Öffentlichkeit bekannt:  Personalknappheit, Überalterung und Nachwuchsmangel – sowie verzögerte Investitionen in automatisierte Stellwerke, Auslöser war das Stellwerk-Chaos in Mainz. Und immer ist zu hören: Ein Fahrdienstleiter der Bahn hat eine riesige Verantwortung bei relativ geringem Lohn. Eine Imageverbesserung der Deutschen Bahn lässt weiter auf sich warten.

Obsoleszenz in der Instandhaltung – negativen Folgen vorbeugen

IFC Ebert[Advertorial] Grundsätzlich können Instandhalter erwarten, dass sie von den Herstellern ihrer Anlagen und Maschinen über entsprechende Verbesserungen auf dem Laufenden gehalten werden. Innovative Produktionsmittel sind und bleiben eine Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit – Obsoleszenz wirkt kontraproduktiv.

Innovation resultiert in Abkündigung

Steht die Investition in Neuanlagen nicht zur Disposition, so ist zu prüfen, ob Hersteller auch optimierte Baugruppen für Altanlagen zur Verfügung stellen. Ein solches Angebot ist gegebenenfalls gekoppelt mit einer sogenannten „Abkündigung“ veralteter Baugruppen, die aus dem Produktprogramm entfernt wurden. Solche Baugruppen sind dann in der Regel noch als Ersatzteile erhältlich – allerdings nur befristet. Danach wäre der fortlaufende Betrieb von Altanlagen im originären Zustand naturgemäß gefährdet – genau das gilt es zu verhindern.

Abkündigung erfordert Massnahmen

Um den negativen Auswirkungen von Obsoleszenz und Abkündigungen zu begegnen, könnten Instandhalter eine eigene, präventive Lagerhaltung originärer Ersatzteile favorisieren – also rechtzeitig einen entsprechenden Bestand aufbauen. Alternativ bietet sich an, die Baugruppen der Altanlagen bedarfsorientiert nachzubauen oder per Re-Engineering zu realisieren – zweifelsfrei mit der Möglichkeit, Produkteigenschaften zu verbessern.

Seminar Obsoleszenz in der Instandhaltung

In jedem Fall sind Instandhalter gefordert, einen professionellen Umgang mit obsoleszenten Baugruppen und Komponenten zu erlernen. Potenzielle Obsoleszenzprobleme sind präventiv zu lösen – Obsoleszenzmanagement ist obligatorisch. Der Einsatz bewährter und neuer Instrumente im Obsoleszenzmanagement sichert Instandhaltungsorganisationen gegen Obsoleszenzrisiken ab und wirkt gleichzeitig kostensenkend. Das Institut für Controlling Prof. Dr. Ebert GmbH  bietet ein entsprechendes Seminar – in Kooperation mit GMP, German Machine Parts.

Programm und Anmeldung: Obsoleszenz in der Instandhaltung – praxisbasiertes und kompetent vermitteltes Wissen.

Spezifikationen einhalten – Zertifizierte Nachrüstung im Dieselbetrieb

Grundsätzlich können Betreiber technischer Systeme davon ausgehen, dass deren festgeschriebene Spezifikationen auch verbindlich sind – Abweichungen werden konsequent  geahndet. Die Beseitigung entsprechender Mängel ist obligatorisch und unterliegt insbesondere der Produkthaftung. Mit welcher Lösung ein etwaiges Problem beseitigt wird, ist allerdings zweitrangig – das erfolgreiche Ergebnis entscheidet.

Schadstoffarmer Dieselbetrieb ist machbar

Auch die „Betreiber von Fahrzeugen“ können erwarten, dass die zugesagten Spezifikationen von Automobilen deren Istwerten entsprechen. Im aktuellen Dieselkonflikt erscheint dieser Anspruch – zumindest in Europa – nicht selbstverständlich. Unumstritten ist mittlerweile, dass eine softwaregestütze Diesellösung nicht ausreicht, um das derzeitige „Abgasproblem“ zu lösen. Um die außerhalb von Gebäuden als „Außenluft“ definierte Luft nicht unverantwortlich mit Dieselabgasen zu belasten, braucht es zweifelsfrei eine hardwaregestützte Lösung. Diese ist machbar, wie das Ergebnis einer ADAC-Diesel-Studie zeigt.

Allerdings war zu erwarten,  dass unaufgeforderte Hardware-Lösungen von „Drittunternehmen“ bei den Autobauern keine offenen Türen finden. Dabei erscheint die begründete Ablehnung solcher Prototypen durchaus plausibel: „typenspezifisch zertifizierte Nachrüstungen können erst über Jahre realisiert werden“. Das ist aber nicht relevant, wenn man unterstellt, dass Autobauer schon längst typenspezifische Hardware-Lösungen in der Schublade haben – zumindest für zukünftige Modelle. Dann wäre gegebenenfalls auch die Neuauflage einer akzeptablen „Verschrottungsprämie“ denkbar.

Damoklesschwert Fahrverbote ist – noch – stumpf

Retrofits sind unter anderem dafür geeignet, einen „schadstoffarmen Betrieb“ zu gewährleisten. Es scheint, dass der Betrieb von Dieselfahrzeugen einer solchen Prozessoptimierung derzeit entzogen wird. Das Problem herbei ist offensichtlich nicht die technische Lösung, sondern der rechtliche Anspruch auf hardwarespezifische Nachrüstungen und deren Finanzierung.

Automobilbauer dürften jedenfalls damit rechnen, dass sich Dienstleistungsunternehmen mit entsprechenden Fahrzeugflotten „vertrauensvoll“ an sie wenden, sollten Fahrverbote tatsächlich durchgesetzt werden. Sicherlich ist die Neuanschaffung dieselbetriebener Dienstfahrzeuge in den Unternehmen bereits weitgehend ausgesetzt. Ob Klagen privater Halter von Dieselfahrzeugen im Einzelfall erfolgreich sind, bleibt fraglich, genauso wie das Recht auf eine Sammelklage.

Im Übrigen ist es nicht zielführend, vermeintliche Schadstoff-Fehlmessungen anzuprangern – im Hinblick auf den korrekten Standort verkehrstechnischer Messstationen. Einsprüche dieser Art sind lediglich geeignet, lösungsorientierte Entscheidungen zu behindern. Dann bleibt die Gewissheit, dass unsere „Außenluft“ an „Frischluftqualität“ verliert – laut klimatechnischer Definition ist Frischluft eine „kühle Luft aus einer schadstoffunbelasteten, natürlichen Umgebung“.