Instandhaltungsmanagement auf ganzheitlicher Basis: Masterplan für Instandhalter im Wettbewerb

Ganzheitliches Managen hat den Anspruch, sämtliche Faktoren in den Griff zu bekommen, die ein Unternehmen beeinflussen. Im Bereich der Instandhaltung gilt diese umfassende Aufmerksamkeit dem Produktionsbetrieb, in den Maschinen und Anlagen maximal verfügbar zu integrieren sind. Wir befragen hierzu Benedikt Brenken, der ganzheitliches Instandhaltungsmanagement als Garant versteht, die Wettbewerbsvorteile eines Unternehmens zu realisieren – quasi über einen „instandhaltungsspezifischen Masterplan“. Benedikt Brenken ist Leiter Competence Center Instandhaltung, am Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH, Aachen.

Herr Brenken, welchen Status messen Sie einem ganzheitlichen Instandhaltungsmanagement im Unternehmen bei?

Die Instandhaltung hat großen Einfluss auf die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens und ist daher von sehr hoher Bedeutung. Dabei liefert das ganzheitliche Instandhaltungsmanagement einen Bezugsrahmen, der über das operative Instandhaltungsmanagement hinaus die wesentlichen Kernbereiche und Schnittstellen der Instandhaltung im Unternehmen berücksichtigt. Es stellt somit einen Ansatz dar, der den zunehmenden Anforderungen an die Instandhaltung gerecht wird.

Was definieren Sie als Kernbereiche eines ganzheitlichen Instandhaltungsmanagements?

Es lassen sich sechs Kernbereiche eines ganzheitlichen Instandhaltungsmanagements definieren. Zunächst ist die anlagenbezogene Instandhaltungsstrategie zu nennen, wobei zu beachten ist, dass nur ein geeigneter Mix aus reaktiver, präventiver und zustandsorientierter Instandhaltung zu einer kostenoptimalen Instandhaltung führen kann. Die Planung des Technologieeinsatzes in der Instandhaltung sowie das Ersatzteilmanagement bilden zwei weitere Kernbereiche, denen sich ein ganzheitliches Instandhaltungsmanagement widmen muss. Einen weiteren Kernbereich stellt das operative Instandhaltungsmanagement mit der Planung und Steuerung der Instandhaltung dar, die eng mit dem Thema Prozesse und IT-Unterstützung verbunden ist. Die Instandhaltungsorganisation bestimmt den Aufbau und die Verankerung der Instandhaltung im Unternehmen und bildet ebenfalls einen Kernbereich eines ganzheitlichen Instandhaltungsmanagements. Darüber hinaus ist auch die Unternehmensstrategie zu beachten, zu deren Umsetzung die Instandhaltung ihren Beitrag leisten muss. Hier ist zu beobachten, dass zunehmend Unternehmensziele auf die Instandhaltung heruntergebrochen werden.

In welcher Beziehung steht ein ganzheitliches Instandhaltungsmanagement zu einem optionalen, unterstützenden Fremdservice?

Fremdservice stellt eine Möglichkeit dar, dass Leistungspotenzial der Instandhaltung zu steigern. Über die gezielte Einbindung von Fremddienstleistern lassen sich zusätzliche Kompetenzen und Know-how in die Instandhaltung integrieren. Sie ist somit als mögliche Option im Sinne eines ganzheitlichen Instandhaltungsmanagements zu betrachten. Eine Einbindung von Fremddienstleistern rein vor dem Hintergrund einer möglichen Kostenreduzierung sollte jedoch kritisch gesehen werden – denn Folgen, wie beispielsweise der Verlust von Know-how über die eigenen Anlagen, dürfen nicht außer Acht gelassen werden.

Ist es nicht erforderlich – unter anderem bedingt durch den demografischen Wandel – möglichst flexible Wechselbeziehungen zur erfolgreichen Aufrechterhaltung eines Produktionsbetriebs zu etablieren?

Mit dem demografischen Wandel sprechen Sie eine der zentralen Herausforderungen an, denen sich auch die Instandhaltung widmen muss. Geeignete Konzepte zu flexiblen Wechselbeziehungen können da definitiv eine Möglichkeit sein. Aber auch innerhalb des Unternehmens müssen entsprechende Maßnahmen getroffen werden, wie die frühzeitige Qualifizierung von Mitarbeitern und Konzepte, die es ermöglichen, das Know-how und die Erfahrung älterer Mitarbeiter – die den teilweise hohen körperlichen Belastungen in der Instandhaltung nicht mehr gewachsen sind – weiter zu nutzen.

Nach welchen Kriterien sollte eine ganzheitlich orientierte Instandhaltung die Verfügbarkeit von Produktionsanlagen gewährleisten?

Ganz wesentlich ist selbstverständlich die Berücksichtigung wirtschaftlicher Kriterien und somit die Gewährleistung der Verfügbarkeit zu möglichst geringen Kosten. Nicht weniger wichtig sind allerdings Kriterien wie Sicherheit, Umweltschutz, Energieeffizienz und Produktqualität, die es genauso zu beachten gilt.

Welche Bedeutung hat die sogenannte „Maintenance Excellence“ bei der Realisierung von Wettbewerbsvorteilen?

Die Maintenance Excellence hat sehr großen Einfluss bei der Realisierung von Wettbewerbsvorteilen, denn sie entscheidet über Wirtschaftlichkeit, Zuverlässigkeit und Flexibilität in der Leistungserstellung. In Umfragen bestätigen über 2/3 der Unternehmen, dass eine fachgerechte und effiziente Instandhaltung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist. Grundsätzlich lässt sich dabei feststellen, dass der Einfluss des Instandhaltungsmanagements umso größer ist, je höher die Anlagenintensität einer Produktion ist.

Die DIN SPEC 77224 definiert Service Excellence – sollte eine entsprechende DIN-Norm auch für Maintenance Excellence eingeführt werden?

Die DIN SPEC 77224 stellt sicherlich einen Meilenstein im Bereich der Service-Excellence-Entwicklung dar. Im Bereich der Maintenance Excellence gibt es vielfältige Ansätze, so dass eine Vereinheitlichung über eine entsprechende Spezifikation sicherlich einen vielversprechenden Ansatz darstellt.

Wenn man mehr von Ihnen zu einem ganzheitlichem Instandhaltungs-management erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Wir stehen selbstverständlich gern als Ansprechpartner unter den folgenden Kontaktdaten zur Verfügung: E-Mail: Benedikt.Brenken, Tel: +49 241 47705-239. Über unsere Website Competence Center Instandhaltung sind ebenfalls weitere Informationen zu erhalten. Darüber hinaus sind wir auch auf den entsprechenden Instandhaltungsmessen vertreten, wie beispielsweise der Maintenance 2014 in Dortmund oder der Maintain 2014 in München.

Herr Brenken, herzlichen Dank für Ihre grundlegenden Einsichten in ein ganzheitlich geführtes Instandhaltungsmanagement.

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Instandhaltungsmanagement auf ganzheitlicher Basis: Masterplan für Instandhalter im Wettbewerb
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Instandhaltungsmanagement aus ganzheitliche Sichtweise berücksichtigt mehrere Kernbereiche - und gilt nach Benedikt Brenken, Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) e.V. an der RWTH, Aachen, als Ansatz, den zunehmenden Anforderungen an die Instandhaltung gerecht zu werden.
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