Immaterielles Kapital besser würdigen – Wert des Wissens in seiner Entwicklung

Wissen ist immaterielles Kapital. Für Serviceunternehmen ist das der eigentliche Unternehmenswert. Für produzierende Unternehmen mit Serviceleistung ein erheblicher Anteil des Unternehmenswertes, wenn nicht sogar der entscheidende. In jeder Serviceleistung steckt immaterielles Kapital: Das Wissen um Anwendungen, Strukturen und Beziehungen. Jedes Unternehmen ist darauf angewiesen. Ob Wissen auch bilanziert werden soll, ist dagegen umstritten. Der Austausch von „Wissen um Know-How und Beziehungen“ zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens steht jedenfalls außer Frage. Es wird als immens wichtig für den Erfolg eines Unternehmens erachtet: Allerdings reicht die Bandbreite der Meinungen aus diversen Unternehmen von nicht erforderlich bis unmöglich, ob solches Wissen auch bewertet und erfasst werden soll.

Immaterielles Kapital – das persönliche Wissen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eines Unternehmens

Es wird bezweifelt, dass man dieses Wissen in seiner Gesamtheit speichern und jederzeit verfügbar machen kann. Falls dies trotzdem gelingen sollte, würde sich die Frage stellen, wer jedes Jahr aufs Neue dieses Wissen bewertet. Und nach welchen Kriterien der Wert des immateriellen Kapitals bestimmt werden soll. Die Einbeziehung des technologischen Wandels sei erforderlich und auch die unterschiedliche Wichtung des immateriellen Wissens in den einzelnen Bereichen eines Unternehmens müsse berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird die Entwicklung einheitlicher und nachprüfbarer Bewertungsregeln im Hinblick auf den dafür erforderlichen zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwand als problematisch eingeschätzt. Die Umsetzbarkeit in der Praxis wird teilweise schlicht angezweifelt.

Immaterielles Kapital – Bestrebungen, Dienstleistungswissen in der Bilanz auszuweisen sind nur vereinzelt erkennbar

Hierauf verweisen „Bilanzleser“ und beurteilen diesen Vorschlag auch aus ihrer Warte überwiegend skeptisch. Das Vorhandensein von Dienstleistungswissen sei sehr schwer zu verifizieren und noch schwieriger zuverlässig zu bewerten. Sie würden einen solchen Ausweis als „Vermögenswert“ in jedem Fall anzweifeln. Sogar bei der Aktivierung von immateriellen Vermögenswerten hinsichtlich Entwicklungsleistungen sei das umstritten, obwohl dieser Wert leichter zu ermitteln sei als der Wert von Dienstleistungswissen. Dessen Werthaltigkeit sei also viel zu unbestimmt, um hier die Qualität eines Vermögensgegenstandes anzuerkennen.

Immaterielles Kapital – Die Protagonisten der Wissensbilanz legen diesen Begriff sehr umfassend aus, und definieren das Wissen als weiche Erfolgsfaktoren

Sie beziehen sich dabei nicht nur auf das individuelle Wissen, sondern auch auf Strukturen, Image, Kultur, Innovationskraft und Beziehungskapital. Sie begrüßen die Möglichkeit, die monetären Werte des Wissens in eine Finanzbilanz einfließen zu lassen, sehen darin aber keine zwingende Notwendigkeit; denn die Finanzbilanz habe sowieso nur eine rückblickende Aussagekraft. Die Wissensbilanz dagegen stelle eine Art Inventur der Erfolgsfaktoren dar. Und damit könne ein Frühwarnsystem etabliert werden, das beurteilt, ob diese Erfolgsfaktoren dazu beitragen, die Unternehmensziele zu erreichen.

Immaterielles Kapital – Mit dem Konzept der Wissensbilanz werden die immateriellen Vermögenswerte nicht direkt finanziell bewertet

Auch geht es nicht darum, den monetären Wert eines einzelnen Mitarbeiters zu erfassen. Dazu sei der Wert der Mitarbeiterkompetenzen zu stark abhängig vom inhaltlichen und strukturellen Kontext des jeweiligen Unternehmens. Auch gingen die existierenden Ansätze zur monetären Bewertung meist von der Kostenseite aus; beispielsweise über Gehälter oder Weiterbildungskosten. Und hieraus lassen sich nun bestimmt keine Rückschlüsse auf künftige Erträge ableiten. Es geht vielmehr darum, den Wertschöpfungsbeitrag bestimmter immaterieller Ressourcen zu ermitteln; beispielsweise die Wirkung individueller Kompetenzen oder verfügbarer Strukturen auf den Geschäftserfolg. Zur Darstellung der Zusammenhänge zwischen einzelnen immateriellen Faktoren und Geschäftsprozessen sowie deren Ergebnissen werden Wirkungsnetze eingesetzt. Der Beitrag jedes Erfolgsfaktors kann so aufgezeigt und gewichtet werden. Die Wissensbilanz ist also in jedem Falle ein aussagekräftiger Bestandteil eines Geschäftsberichts.