Innerbetriebliche Instandhaltung zwischen Kostenreduktion und Wertschöpfung: Lean Monitoring und Control Systems aktivieren Potenziale

Wenn Betreiber ihre Instandhaltung lediglich als Kostenblock betrachten, den es permanent zu reduzieren gilt – was offenbar immer noch vorkommt – wächst der Kostendruck auf das Instandhaltungsmanagement gegebenenfalls ins Unerträgliche. Spätestens dann sind entsprechende Vorgehensweisen gefragt, mit deren Wirkung sich eine innerbetriebliche Instandhaltung wirtschaftlich besser behaupten kann. Wir befragen hierzu Daniel Ernst, der Lean Monitoring und Control Systems als erfolgversprechende Möglichkeit betrachtet, Instandhaltung kostenreduziert zu realisieren, ohne dabei auf wesentliche Ressourcen verzichten zu müssen. Daniel Ernst ist Technischer Produktmanager der Saia-Burgess Controls AG in Murten, Schweiz.

Herr Ernst, die innerbetriebliche Instandhaltung hat oft noch Probleme mit der Anerkennung ihrer Wertschöpfung – woran liegt das?

Ein großes Problem der Instandhaltung ist, dass bei ihr keine subjektiv wahrnehmbare Wertschöpfung stattfindet. Sehr gut sieht man das bei der Deutschen Bahn. Dass der Betrieb läuft und die Züge fahren nimmt jeder als gegeben hin – auch wenn im Hintergrund tausende Leute damit beschäftigt sind, diesen Betrieb am Laufen zu halten.

Weshalb ist nur von Kostenreduktion die Rede?

Natürlich sind die Verantwortlichen immer dazu angehalten, ihre Kosten zu senken. Und natürlich wird dort gespart, wo zunächst einmal keine unmittelbaren Auswirkungen auf den laufenden Betrieb zu erwarten sind. Was dann allerdings in Folge geschieht, konnte man sehr gut bei der „U-Bahn in Berlin“ oder mit Blick auf das „Stellwerk-Chaos in Mainz“ beobachten: Das ganze System bricht auf einen Schlag komplett zusammen und das Geschrei ist groß. Dummerweise ist in der Regel der Verantwortliche schon lange auf einem anderen Posten und die Suppe löffelt der Nachfolger aus – hier beißt sich die Katze in den Schwanz.

Wo liegen die praktikablen Einsparungspotenziale einer innerbetrieblichen Instandhaltung?

Keinesfalls liegen Einsparpotenziale im Bereich der Tätigkeiten, die zur einwandfreien Funktion von Anlagen nötig sind. Vielmehr ist darauf zu achten, dass beispielsweise notwendige Wartungen so effizient wie möglich durchgeführt werden können. Durch ständige Optimierung der Instandhaltungsprozesse können Mitarbeiter auch mehr leisten – und sind dabei weniger Stress ausgesetzt. Sehr wirkungsvolle Maßnahmen sind etwa die Fernüberwachung von Anlagen oder ein optimierter Workflow, der Wartungspläne synchronisiert.

Wie können Lean Monitoring & Control Systems eine Wertsteigerung durch Instandhaltung abbilden?

Lean Monitoring & Control Systems tragen gleich doppelt zur Wertsteigerung der Instandhaltung bei. Über einen stark gestiegenen Energieverbrauch lässt sich beispielsweise ein „verstopfter Lüfter“ oder ein „defekter Motor“ frühzeitig erkennen – dadurch wird Instandhaltung effizienter und schneller. Viel wichtiger ist jedoch, dass durch das Monitoring subjektiv wahrnehmbare Wertschöpfung realisiert werden kann. Zum Beispiel wird sofort erkannt, wenn eine Heizung trotz hoher Außentemperaturen durchgehend läuft. Dann ist es möglich, den Energiebedarf durch bessere Parametrierung der Gebäudeautomation anzupassen – und vieles mehr. Am Ende kommt eine nachweisbare Optimierung des Betriebs heraus, wofür so manch ein Berater viel Geld verlangt. Dies freut den Betreiber und macht die innerbetriebliche Instandhaltung plötzlich zu einer sehr lohnenswerten Investition.

Wo liegen die Grenzen für ein schlankes Instandhaltungskonzept?

Ein solches Konzept ist nicht anwendbar, wenn es zu kompliziert oder zu teuer ist oder spezielle Fachkräfte erfordert. Wenn die Instandhaltung „verschlankende Automationskomponenten“ einsetzt, müssen diese frei programmierbar und erweiterbar sein. Ein schlankes Energiemanagement etwa verlangt nach einem schlanken Messsystem, mit dem die Instandhalter problemlos in der Lage sind zu arbeiten. Ein Betrieb oder Gebäude lebt und ist ständigen Veränderungen unterworfen – dafür müssen messtechnische Geräte entsprechend ausgelegt sein.

Rechnet sich eine innerbetriebliche Instandhaltung noch, wenn die maximal möglichen Potenziale subjektiv wahrnehmbarer Wertschöpfung umgesetzt sind?

Eine bestimmte Betriebsgröße vorausgesetzt, rechnet sich eine innerbetriebliche Instandhaltung meiner Meinung nach immer – schon deshalb, weil die Wartezeiten auf externe Mitarbeiter entfallen. Außerdem arbeitet eine innerbetriebliche Instandhaltung weniger reaktiv, also mehr vorbeugend als eine externe Instandhaltung. Von daher ist gerade die Instandhaltung als innerbetriebliche „Grundversorgung“ sowohl besser als auch günstiger realisierbar. Kann die innerbetriebliche Instandhaltung ihren Wert ausserdem durch zusätzlich sichtbare und vor allem messbare Verbesserungen darstellen, zweifelt wohl niemand an deren Sinnhaftigkeit.

Wenn man mehr von Ihnen zum Thema Lean Monitoring & Control Systems im Bereich der Instandhaltung erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Neben meiner Onlinepräsenz „Lean Energy Management“, auf der Grundlagen zum Lean-Ansatz erklärt werden, gibt es von mir Aktuelles zum Lean-Thema auf Google+, insbesondere Hinweise zu Vorträgen und Webinaren – auch das fachspezifische Profil von Daniel Ernst kann dort eingesehen werden.

Herr Ernst, herzlichen Dank für Ihre richtungsweisenden, instandhaltungsspezifischen Erläuterungen zum Einsatz von Lean Monitoring und Control Systems.

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Innerbetriebliche Instandhaltung zwischen Kostenreduktion und Wertschöpfung: Lean Monitoring und Control Systems aktivieren Potenziale
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Die innerbetriebliche Instandhaltung muss sicherstellen, dass bei ihr eine subjektiv wahrnehmbare Wertschöpfung stattfindet, meint Daniel Ernst, Saia-Burgess Controls AG - ansonsten dominiert die Forderung nach Kostenreduktion.
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