Insolvenz und Garantie – Kundenvertrauen kann gerettet werden

Ein insolventes Unternehmen kann seine Kunden nicht mehr betreuen. Garantieleistungen werden trotzdem erbracht, denn neue Konstellationen sorgen für Kontinuität im Servicebetrieb. Doch bis dahin ist einiges abzuklären. Die von Unternehmen zugesicherten Garantieleistungen sind in der Regel vertraglich geregelt. Juristen sprechen hier von einer Verpflichtung, für den Eintritt eines bestimmten Erfolges einzustehen oder die Gefahr eines zukünftigen Schadens zu übernehmen. Diese Garantieerklärung wird in der Praxis in einen Kaufvertrag integriert: Dem betreffenden Produkt wird bescheinigt, dass es mängelfrei ist und bestimmte Eigenschaften hat. Entsprechend erfolgt dann die Zusage, andernfalls für bestimmte Mängel einzustehen. Soweit die Vereinbarung.

Insolvenz – Was passiert nun, wenn das Unternehmen in die Insolvenz geht und diesen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann?

Der Insolvenzverwalter kann jeden Vertrag kündigen und muss auf Kunden offenbar keine Rücksicht nehmen. Sein Interesse ist einzig und allein, herauszufinden, wie und womit die größten Erlöse aus dem betreffenden Unternehmen zu realisieren sind.Trotzdem müssen beispielsweise Distributoren den Kundenkontakt aufrechterhalten. Und für die kann es dann schwierig werden, wenn sie für die Garantieverpflichtungen alleine gerade stehen müssen. Daher sind sie daran interessiert, mit dem Insolvenzverwalter eine praktikable Lösung herbeizuführen, um nicht auf den Garantiekosten sitzen zu bleiben. So hat dies beispielsweise T-Mobile versucht; aufgrund des in die Insolvenz geratenen Unternehmens BenQ Mobile.

Insolvenz – Garantieleistungen, die plötzlich selbst zu tragen sind

Vielleicht können solche Kosten von einem größeren Vertrieb noch aufgefangen werden, für kleinere Händler kann eine solche Situation bedrohlich werden. Da mag sich im Fall BenQ Mobile mancher Händler beglückwünscht haben, wenn er der Fachhandelskooperation Aetka angeschlossen war. Denn diese erklärte, dass sie ihren Mitgliedern helfen wolle, den Service für die betreffenden Systeme in Deutschland aufrechtzuerhalten und auch Garantieansprüche zu erfüllen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass diese Produkte auch über den Aetka-Fachhandel eingekauft wurden. Eine Hilfestellung, die dann aber doch nicht in Anspruch genommen werden musste. Denn Siemens einigte sich mit BenQ Corp. wie mit Garantieleistungen umzugehen sei: Beauftragt wurde die B2X Care Solutions GmbH mit der Fortführung der erforderlichen Services. Die bestehenden Kanäle für Reklamationen stehen unverändert zur Verfügung.

Insolvenz – Für den konkreten technischen Service beauftragt B2X entsprechende Dienstleister.

Beispielsweise erhält die Combase AG den Reparaturauftrag für Deutschland, eventuell auch für Schweiz und Österreich. Für die Systembetreuung hatte Combase allerdings bereits vorher eine entsprechende Autorisierung. Und so ist es auch nachvollziehbar, dass dieses Unternehmen die Reparaturwerkstatt der Inservio GmbH erworben hat: Einer Tochter von BenQ Mobile, die im weltweiten Service für Systeme von Siemens, BenQ-Siemens und BenQ tätig war. Finanziert werden die Garantieleistungen offenbar von einer noch ausstehenden Zahlung, die Siemens an die BenQ Corp. aufgrund der vor einem Jahr durchgeführten Ausgliederung des betreffenden Geschäftsbereichs noch zu leisten hatte. Insoweit können die Händler wieder beruhigt den kommenden Aufträgen entgegensehen. Imageverluste müssen trotzdem wieder aufgeholt werden.