Instandhaltung: Serviceprozesse innerbetrieblich managen

Instandhaltungskompetenz resultiert vorrangig aus einer tiefgreifenden Kenntnis innerbetrieblicher Produktionsprozesse. Optional steht der Instandhaltung systemspezifisches Wissen von Herstellern und beratenden Dienstleistern zur Verfügung. Ob entsprechende Fremdleistungen abgerufen werden, hängt vom innerbetrieblichen Status der Instandhaltung ab. Eine etablierte Instandhaltung wird in der Regel darauf drängen, die eigene Handlungskompetenz auszubauen. Wir befragen hierzu Wilhelm Hodapp, der das Kompetenzmanagement in der Instandhaltung als Weg vom Wissen zum Können definiert. Wilhelm Hodapp ist Instandhaltungsleiter der Heidelberger Druckmaschinen AG, am Produktionsstandort Wiesloch-Walldorf.

Herr Hodapp, der traditionelle Ruf einer innerbetrieblichen Instandhaltung entsprach in etwa einer kompetenten und detailverliebten Bastlerwerkstatt. Wie definieren Sie den Kompetenzbedarf einer zeitgemässen Instandhaltung?

Große, innerbetriebliche Instandhaltungsbereiche wollten lange nicht wahrhaben, dass sie trotz ihres Engagements in die Image-Schublade des Kostentreibers gerutscht waren. Eine wesentliche Ursache lag darin, dass „wir“ uns lange schwer getan haben, mit unseren Instandhaltungsmitarbeitern einen strategisch zukunftsorientierten Wandel zu durchlaufen, der auch in Richtung Management die richtige Signalwirkung liefert. Wir haben uns vor mehr als zehn Jahren dieser Herausforderung gestellt, unsere Bedeutung im Life Cycle der Technik herausgearbeitet und durch Veränderung der Aufbau- und Ablauforganisation umgesetzt. Daraus ergab sich dann zwangsläufig der erforderliche Kompetenzbedarf einer zeitgemäßen Instandhaltung. Eine unserer wesentlichen Zielrichtungen war dabei, für die Produktion einen kontinuierlichen Qualitäts- und Produktivitätsbeitrag zu liefern, ergänzt um die wichtigen Aspekte des Arbeits- und Umweltschutzes.

Was sind die besonderen Stärken einer innerbetrieblichen Instandhaltung?

Unser Instandhaltungsprozess beginnt inzwischen bereits in der Phase der Investitionspolitik, in Form technischer Beratung. Die Tragweite der Projektierungs- und Realisierungsphase neuer, produktionstechnischer Einrichtungen ist hinlänglich bekannt. Hier werden bereits die Betriebs- und Folgekosten festgelegt, wobei der instandhalterische Anteil – über die Nutzungszeit einer technischen Einrichtung – schnell nochmals die Größenordnung der Investitionssumme erreichen kann. Im Life Cycle der Technik geht die Nutzung üblicherweise über eine Dekade hinaus. Das heisst, Instandhaltung benötigt einen langen Atem und Durchhaltevermögen – und hierin liegt dann die eigentliche Chance. Instandhaltungskompetenz kann nicht aus Lehrbüchern und Datenbanken entnommen werden, sie manifestiert sich im tatsächlichen Handeln in der tagtäglichen Praxis. Entscheidend ist nur, sich strategisch auf die richtigen Dinge zu konzentrieren. Hier steckt viel Potential in zustandsorientierten Methoden.

Wenn Instandhalter in ihrer Kompetenz zu entwickeln und einzustufen sind, auf welche Schwerpunkte kommt es an?

Der Instandhaltungsmitarbeiter arbeitet im Rahmen seiner Tätigkeit über viele Schnittstellen hinweg, sodass neben der fachlichen Kompetenz auch soziale Kompetenzen gefordert sind. Dabei geht es im Wesentlichen um Zusammenarbeit im Team, Umgang mit Konflikten und Kommunikationsfähigkeit. Darüber hinaus werden allerdings auch überfachliche Kompetenzen verlangt – wie beispielsweise zielorientiertes und vorausschauendes Denken und Handeln, beziehungsweise Weitblick. Diesen Herausforderungen müssen sich Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen stellen. Vom Unternehmen sind hierzu die geeigneten Randbedingungen zu schaffen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Im Gegenzug liegt es dann allerdings beim Mitarbeiter, mit einer motivierten Einstellung und Haltung die erforderliche Eigenverantwortung sowie Veränderungs- und Lernbereitschaft unter Beweis zu stellen.

Auf welchem Niveau?

Da wir uns in einer mechatronischen Welt bewegen, ist immer stärker der Allrounder gefordert. Allerdings mit der Herausforderung einer immer schneller steigenden Komplexität, die den einzelnen Mitarbeiter häufig an seine Grenzen im Aufbau von Erfahrungswissen im geforderten technischen Tiefgang führt. Deshalb sind unsere Instandhaltungsgruppen durchgängig interdisziplinär zusammengesetzt – sodass im Team, ohne organisatorischen Verantwortungswechsel, eine fachübergreifende Zusammenarbeit entsteht und Expertenwissen unterschiedlichster Fachlichkeit sich leichter ergänzt und zusammenwirkt. Trotzdem ist ein hohes Maß an Eigenleistung auf fachlich anspruchsvollem Instandhaltungsniveau wirtschaftlich nur leistbar, wenn das entsprechende Auslastungsvolumen kontinuierlich sichergestellt ist. Nur auf dieser Basis können Instandhaltungsmitarbeiter fachlich gefordert und in ihrer Kompetenz ausreichend trainiert werden, um sich nicht nur fit zu halten sondern sich auch immer wieder mit Höchstleistung unter Beweis stellen zu können. Dieses Erfahrungswissen ist dann wiederum Grundlage für eigene Beratungskompetenz, die – verknüpft mit den internen Prozesskenntnissen – auf dem externen Markt nur bedingt zu beziehen ist. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz schließt sich der Kreis und eine innerbetriebliche Instandhaltung lässt sich vom Kosten- zum Wertetreiber entwickeln.

Inwieweit sehen Sie das Kompetenzmanagement eines Instandhalters in Abhängigkeit vom Herstellerservice?

Aufgrund unserer Größe verstehen wir uns als Prozess-Owner für den innerbetrieblichen „Serviceprozess Instandhaltung“ – im Zusammenspiel und Organisieren von Eigenleistung, Fremdleistung und Material. Der Betreiber kann sich auf einen verantwortlichen Ansprechpartner beziehen und muss sich nicht um Prozessschnittstellen kümmern. Dabei ist dem Anspruch Rechnung zu tragen, immer wieder das bestmögliche Verhältnis von Kosten zu Nutzen unter Beweis zu stellen. Den Herstellerservice nehmen wir bei speziellen Know-How-Anforderungen in Anspruch, bei denen die Eigenentwicklung nicht um jeden Preis sinnvoll ist. Unterstützen können wir allerdings mit unseren internen Prozesskenntnissen, sodass in der bilateralen Zusammenarbeit ein sehr offener Informationsaustausch und Lernprozess auf Augenhöhe entsteht, von dem beide Seiten auf Werkerebene profitieren.

Wie lässt sich das Erfahrungswissen einer innerbetrieblichen Instandhaltung mit dem Erfahrungswissen aus dem Herstellerservice oder von Fremddienstleistern verknüpfen?

Ein kanalisierter Wissensaustausch mit dem Herstellerservice erfolgt bei Maschinenzustandsdaten, die im Rahmen von Condition Monitoring erzeugt werden. Hier tauschen sich Experten beider Seiten im Rahmen von Datenanalysen aus – hierbei kommunizieren Menschen, die auf einer gleichen Verständnisbasis für eine Sache motiviert sind. Der Versuch von Dienstleistern, neutralisierte Datenbanken für einen instandhalterischen Wissenstransfer über Wettbewerbsgrenzen hinweg zu generieren, ist nach meinem Kenntnisstand bisher noch nicht erfolgreich unter Beweis gestellt. Hier passt im übertragenen Sinne vielleicht ganz gut der Spruch des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer, der sagt: „Lernen heißt, ein Feuer zu entfachen und heißt nicht, Fässer zu füllen“. Denn große Datensammlungen verkommen sehr schnell zu Datenfriedhöfen, wenn sich Mitarbeiter ohne Engagement und Sachverstand damit beschäftigen.

Ihr Unternehmen produziert Investitionsgüter und bietet hierfür einen anerkannt exzellenten Kundenservice. Welche Zusammenarbeit gibt es hierbei mit Ihrer betriebsinternen Instandhaltung?

Der Service- und Dienstleistungsgedanke spielt bei uns im Unternehmen generell eine wichtige Rolle. Unser Service für Druckmaschinen agiert rund um die Uhr, und erfordert schon aufgrund seiner weltweiten Ausrichtung noch viel ausgefeiltere Prozesse – beispielsweise im Remote-Service oder in der Ersatzteilversorgung. Trotzdem sind viele Anforderungen übertragbar und deshalb tauschen wir uns regelmäßig aus – etwa zu Fragen der Analysetechniken, Lösungen für mobile Instandhaltung und Dokumentationskonzepte, um nur einige Punkte zu nennen. Und ich bin froh, dass es innerhalb unseres Unternehmens Möglichkeiten gibt, sich über Bereiche hinweg auf hohem Kompetenzniveau austauschen zu können.

Herr Hodapp, herzlichen Dank für Ihre aufschlussreichen Hinweise, wie eine kompetente Instandhaltung zu realisieren ist.