Instandhaltungsnormen ausschöpfen: Regelwerk und Know-how der Instandhalter

Eine normierte Instandhaltung soll Produktionsunternehmen stichhaltige Vorteile für den Einsatz ihrer Maschinen und Anlagen verschaffen. Normen sind verfügbares Allgemeingut des Instandhaltungsmanagements, doch die einheitliche Beachtung von Instandhaltungsnormen kann offenbar noch nicht vorausgesetzt werden. Wir befragen hierzu Dr. Reinhard Korb, der in den Normen der Instandhaltung und des Asset Managements „verborgene Schätze“ ausgemacht hat. Dr. Reinhard Korb ist Geschäftsführer der Korb Consulting KG, Perchtoldsdorf, Österreich und Partner der MCP Deutschland GmbH, München.

Herr Korb, wie kann das Instandhaltungsmanagement von Normen profitieren?

Der Nutzen des Instandhaltungsmanagements ist vielfältig. An erster Stelle ist zu erwähnen, dass Normen helfen, eine gemeinsame Sprache zu definieren. Durch Anwendung der Normen kann die Kommunikation mit den Partnern der Instandhaltung viel einfacher und geradliniger verlaufen. Diese Partner können zum einen die Betreiber der Anlagen sein und zum anderen auch weitere Instandhalter – in anderen Abteilungen, in Schwesterbetrieben oder sonstigen Unternehmen.

Wie definieren Sie die Aussagekraft der aktuellen Instandhaltungsnormen?

Es gibt etliche Normen zum Themengebiet der Instandhaltung, die wie Wörterbücher verwendet werden können. Dies ist gerade bei mehrsprachigen Normen eine sehr wertvolle Hilfe in der internationalen Kommunikation. Die Normen helfen auch, den Leistungsinhalt der Instandhaltung einheitlich abzugrenzen. Dies ist gerade dann von höchster Bedeutung, wenn Instandhaltungsleistungen zugekauft werden. Klare und allgemein gebräuchliche Festlegungen helfen, Leistungsanbieter zu vergleichen, mit den richtigen Erwartungen Geschäftsbeziehungen einzugehen und diese auch besser erfüllt zu bekommen.

Inwieweit ist das derzeitige Instandhaltungsspektrum durch Normen abgedeckt?

Es sind erstaunlich viele Normen zum Fachgebiet Instandhaltung verfügbar – doch nicht nur zu diesem bereits in sich komplexen Aufgabengebiet. Deutlich erkennbar überschneidet sich Instandhaltung mit dem Themenbereich „Facility Management“, dessen Normen durchaus als sehr gute Arbeitsgrundlage für Aktivitäten der Instandhaltung gelten können. Auch Normen aus dem Zuverlässigkeitsmanagement lassen sich sehr gut für das Management der Instandhaltung einsetzen – etwa zum Festlegen der richtigen Instandhaltungsstrategien. Solche Beispiele stehen dafür, dass Normen – neben Standardisierung und Vereinheitlichung – auch die Verbreitung von Wissen massiv unterstützen.

Wie verbindlich werden Instandhaltungsnormen derzeit eingehalten?

Die Anwendung der vorhandenen Instandhaltungsnormen ist ganz unterschiedlich. Es gibt in der Instandhaltung Personen, die einen sehr guten Überblick über die Normen haben und andere, für die dies nicht zutrifft. Gerade das führt zu unnötigen Reibungsverlusten, weil Erwartungen einfach nicht erfüllt werden. Die Situation ist vergleichbar mit der Fahrt auf einer mehrspurigen Straße, wobei ein Teil der Nutzer die „genormte“ Nutzung der Straße kennt und andere eben nicht – beispielsweise bezogen auf die Bedeutung der Bodenmarkierungen und der Rechtsfahrordnung. Die Auswirkungen sind offensichtlich! Folgerichtig muss der Bekanntheitsgrad von Normen gerade in einem Fachgebiet wie der Instandhaltung weiter ausgebaut werden – in dem viele Personen nicht ihre primäre Ausbildung haben.

Inwieweit finden sich Instandhaltungsnormen in den diversen Softwarelösungen zur Instandhaltung?

Auch in Softwarelösungen werden die Normen noch viel zu wenig berücksichtigt. So ist zum Beispiel die normenkonforme Berechnung von Instandhaltungskennzahlen keineswegs durch Softwarelösungen automatisch sichergestellt. Hier könnte eine Handlungsanleitung der Softwareanbieter für die richtige Nutzung der Software durchaus hilfreich sein – etwa durch Auftragsklassifizierung oder Kostenabgrenzung, um normenkonform Basiszahlen zu erheben und Benchmarking zwischen den Kunden zu ermöglichen.

Sind die Vorteile einer normierten Instandhaltung quantifizierbar?

Nein, ich denke, dass hier keine seriösen und konkreten Zahlen genannt werden können. Dennoch ist der Nutzen einer gemeinsamen Sprache und die Verwendung der in den Normen festgehaltenen Erfahrung offensichtlich. Überlegen Sie einmal, wie viel Zeit heute in den Unternehmen in Besprechungen und Workshops verbracht wird, um eine einheitliche und harmonisierte Vorgangsweise zwischen Abteilungen, Betrieben und Divisionen immer wieder neu zu erreichen! Klar ist, dass diese Eigenentwicklungen nicht für ein Benchmarking mit Marktbegleitern geeignet sind. Der Schaden durch Missachtung der vorhandenen Normen ist also enorm!

Wenn man mehr von Ihnen zur Normierung in der Instandhaltung erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Zunächst kann ich den Besuch der Tagung Instandhaltung von IFC Ebert empfehlen. Dort präsentiere ich einen Überblick von Schätzen der Instandhaltungsnormen. Darüber hinaus sind auch Trainings und Workshops direkt in den Unternehmen möglich. In der täglichen Arbeit mit unseren Kunden, zur Professionalisierung des Asset Managements beziehungsweise des Instandhaltungsmanagements, lassen wir die relevanten Normen stets an der richtigen Stelle einfließen.

Herr Korb, herzlichen Dank für Ihre eindrucksvollen Erläuterungen zum Umgang mit einer normierten Instandhaltung.

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Instandhaltungsnormen ausschöpfen: Regelwerk und Know-how der Instandhalter
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Instandhaltungsnormen sind als umfassendes Regelwerk zu verstehen - Im Interview mit Reinhard Korb, Korb Consulting KG, wird deutlich, welches Potenzial dahintersteckt.
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