Laufzeit für IT-Verträge – Strategie der Dienstleister für Informationstechnologie

Wie lange sollten IT-Verträge laufen und welche Aspekte werden dabei berücksichtigt? Hierzu einige Beispiele aus der Praxis – die Bandbreite ist beachtlich.

IT-Verträge – Neuverhandlung nach 4 Jahren

Kürzlich wurde ein IT-Vertrag zwischen EDS und Mövenpick das zweite mal um 4 Jahre verlängert. Florence Mayor, Pressesprecherin von Mövenpick, meint dazu: “Ein Vertrag auf vier Jahre gibt uns die Freiheit nach dessen Ablauf neue Verhandlungen zu führen, denn das Informatikumfeld verändert sich sehr schnell. Bis 1997 hatte Mövenpick für IT-Dienstleistungen eine eigene Abteilung mit ca. 28 IT-Mitarbeitern unterhalten. Die Informatik-Abteilung erbrachte damals in etwa dieselben Dienstleistungen, wie sie Mövenpick heute von EDS bezieht. Zusätzlich bediente man sich, vor allem für IT-spezifische Bereiche und Segmente, externer IT-Berater und Dienstleister“, so Frau Mayor.

IT-Verträge – 2-3 Jahre, aber ausgewogen

Eine kalkulierbare Abbhängigkeit gegenüber IT-Dienstleistern steht für Herrn Stefan M. Christiansen, Abteilungsleiter für Rechenzentrum und Netze des Unternehmens Germanischer Lloyd AG im Vordergrund: „Es ist keineswegs so, dass wir grundsätzlich nur auf interne Kräfte vertrauen würden. Tatsächlich haben wir auch externe Dienstleister eingebunden. Wir vergeben bedarfsorientierte Aufträge für klar umrissene Vorhaben, setzen aber auch auf längerfristige Unterstützung mit Verträgen im Bereich von zwei oder drei Jahren. Wir wollen uns jedoch nicht vollständig von externen Dienstleistern abhängig machen und suchen zur Zeit wieder einen internen Kollegen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen „Internen“ und „Externen“ zu haben.“

IT-Verträge – Momentan 3-5 Jahre

Dass lange Vertragslaufzeiten im IT-Service derzeit absolut unüblich sind, dessen ist sich Thilo Jourdan sicher, er ist Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter des Bereiches Siemens Business Services, Region Südbayern: „Akzeptiert werden momentan 3 Jahre bei IT-Verträgen und 5 Jahre bei Telekom-Verträgen. Dem Abschluß von längeren Laufzeiten stehen sich schnell ändernde Angebote der IT-Branche und die kundenspezifische Vermeidung von zu großen Abhängigkeiten entgegen.Trotzdem besteht natürlich immer die Möglichkeit, dass ein Kunde eine lange Laufzeit zu einem niedrigen Vertragspreis anstrebt. Ein IT-Dienstleister wird bei einem niedrigen Preisniveau natürlich eine kurze Laufzeit vorziehen“, so Herr Jourdan.

IT-Verträge – 12 Monate Mindestlaufzeit

Auch Hans-Ulrich Junkers, Multivendor Service Manager der Simac Services Deutschland, bestätigt kurze IT-Vertragslaufzeiten für sein mittelständisches Servicekundenklientel: „Geübte Praxis sind dort Serviceverträge für Hardware-Services mit einer Mindestlaufzeit von 12 Monaten. Wenn diese Verträge nicht 3 Monate vor Ablauf gekündigt werden verlängern sie sich jeweils um weitere 12 Monate. Verträge mit Laufzeiten von 5 Jahren oder noch länger kommen bei Simac nicht vor. Allerdings sind im Bankenbereich, insbesondere für SB Systeme , wie Geldautomaten , feste Laufzeiten von 3 Jahren durchaus üblich. Hier ist der Technologiewandel nicht sehr ausgeprägt und die Institute sichern sich durch längere Laufzeiten günstigere Konditionen. Vertragliche Bindungen mit längeren Laufzeiten sind im Prinzip auch aus Sicht eines Serviceproviders durchaus wünschenswert.; dann sind Budgetierungen und Abschreibungen auf das Material besser zu gestalten. Aber durch den raschen Technologiewandel und die sinkenden Hardwarepreise ist es unrealistisch auf lange Laufzeiten zu setzen. Wichtiger ist es, durch einen guten, qualifizierten Service Kundenbindung zu erreichen“, so Herr Junkers.

IT-Verträge – Kontrollierte 3-4 Jahre

Wenn Unternehmen IT-Service in Auftrag geben möchten, müssen sich diese primär darüber im Klaren sein, dass es sich hierbei um eine strategische Entscheidung handelt, meint Wolfgang Dornaus von der IT Engineering Group: „Die Laufzeit solcher Verträge sollte bei 3-4 Jahren liegen. Man muß sich auch darüber im Klaren sein, dass trotz des Outsourcings von IT-Aufgaben die Verantwortung für die IT weiterhin im Unternehmen bleiben muß. Zudem ist sauber zu definieren, welche Leistungen vom Dienstleister zu erbringen sind, damit die Kontrolle durch den Auftraggeber jederzeit gewährleistet bleibt. Nicht alle Bereiche eignen sich gleichermaßen für eine Vergabe an Externe. Manche Kompetenzen bleiben besser im Unternehmen und sichern die Wettbewerbsfähigkeit“. Unternehmen, die sich vom Outsourcen hauptsächlich große Einsparungen erwarten, sollten die Angelegenheit nochmals nüchtern überdenken, denn IT-Outsourcing führt nicht zwangsläufig immer zu einer Kostensenkung; manchmal ist auch das Gegenteil der Fall“, so Herr Dornaus.