Kältemittel zwischen Klimaschutz und Brandgefahr: EU-Regeln versus Produkthaftung

Naturgemäß sind Kfz-Hersteller verpflichtet, einen „genehmigungskonformen Zustand“ ihrer Fahrzeuge zu gewährleisten. Überwacht wird dieser durch Behörden, die für die sogenannte Typengenehmigung zuständig sind; in Deutschland durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA). Somit wird bei Abweichungen von der Vorschrift der jeweilige Kfz-Hersteller zur Korrektur aufgefordert – Beispiel Kältemittel.

Entsprechendes gilt für das neu vorgeschriebene, aber umstrittene Kältemittel mit der Bezeichnung „R1234yf“

Dieses soll zwar in  der Lage sein, den von der EU definierten Regeln für Klimaschutz zu entsprechen, ist aber offenbar brandgefährlich. So die Erkenntnisse der Daimler AG nach ihrem Testverfahren vom September 2012. Hierauf hat der ADAC reagiert und einen dritten Weg gefordert: weder das alte noch das neu vorgeschriebene Kältemittel einzusetzen sondern CO2 zu verwenden.

Vor dieser Entscheidung steht die Daimler AG, der laut KBA alsbald eine entsprechende Aufforderung in schriftlicher Form zugehen wird, um die EU-Vorgabe durchzusetzen. Daimler erwartet jedoch – so deren Auskunft -, dass das KBA hierzu noch andere Kfz-Hersteller befragt und die EU-Kommission entsprechend unterrichtet.

Interessant hierbei ist der offensichtliche Konflikt zwischen Klimaschutz und Produkthaftung

Wenn das umstrittene Kühlmittel nach EU-Richtlinie zwingend zu verwenden ist, und sich nach einem Unfall genauso brandgefährlich verhält, wie nach dem als „Real Life“ definierten Testfall zu erwarten ist: Kann sich der Kfz-Hersteller dann der Haftung entziehen, weil er vorher darauf hingewiesen hat? Wohl kaum, und deshalb wird sich ein sicherheitsbewusster Kfz-Hersteller auch eine adäquate, alternative Lösung einfallen lassen, bevor er sich vorhersehbaren Risiken aussetzt.

Aktualisierter Status vom 24.03.2013

Die EU-Kommission will offenbar an dem umstrittenen Kältemittel mit der Bezeichnung „R1234yf“ festhalten, womit Pkw-Hersteller für ihre Neuzulassungen zu dessen Einsatz gezwungen wären.

Ein Gedanke zu „Kältemittel zwischen Klimaschutz und Brandgefahr: EU-Regeln versus Produkthaftung“

  1. Wie der ADAC aktuell meldet, geht die Auseinandersetzung der Europäischen Kommission mit den deutschen Autobauern um das richtige Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen in die nächste Runde:

    Demnach hat die EU-Kommission das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aufgefordert, alle neu zertifizierten Modelle mit dem seit 1. Januar 2013 verbotenen Kältemittel R134a zu benennen und darzulegen, „was die Behörde zu tun gedenke, um die Konformität mit dem Gesetz wiederherzustellen“. Gleichzeitig soll die EU-Kommission weitere Belege vom KBA gefordert haben, welche die Sicherheitsbedenken gegen das neue Kältemittel R1234yf fundiert begründen.

    Wertet die EU-Kommission das hinlänglich bekannte Testergebnis der Daimler AG damit als unzulänglich oder unglaubwürdig?

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