Öffentliche Personenbeförderung – Dienstleistung mit ungeahnten Konsequenzen

Zahlende Kunden können einer Straftat bezichtigt werden, obwohl niemand geschädigt wurde. Was unglaublich klingt ist offenbar passiert: Von zwei Tickets eines Fahrdienstleisters der öffentlichen Personenbeförderung wurde das formal falsche – zum gleichen Preis – gewählt und der Kunde deshalb als Schwarzfahrer abgestempelt, mit den bekannten Folgen. Der Fahrgast hat sich an den Bayerischen Rundfunk gewandt, um seinem Ärger Luft zu machen: „Fahrrad fährt schwarz trotz Streifenkarte“.

Dienstleister der öffentlichen Personenbeförderung

Ein Fahrgast der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund GmbH (MVV) hatte für sich und sein Fahrrad den Fahrpreis über eine  sogenannte „Streifenkarte“ bezahlt – also preislich korrekt entsprechende Felder abgestempelt. Allerdings verlangt die MVV für die Mitnahme eines Fahrrads den Kauf einer separaten Fahrrad-Tageskarte. Es ist nicht nur untersagt sondern auch strafbar, die ausschließlich personenbezogene Streifenkarte für ein Fahrrad zu nutzen. Entsprechend fiel der Fahrgast dann auch Kontrolleuren zum Opfer und wurde wegen „Schwarzfahren“ zu einer Strafzahlung von 60 Euro verdonnert – und das, obwohl der ausgewiesene Fahrpreis in Höhe von 5,20 Euro entrichtet wurde.

Beschwerde des Kunden gescheitert

Erwartungsgemäß beschwerte sich der Fahrgast. Doch die „Kontrolleure“ beriefen sich mit Bedauern auf ihre Vorschriften. Die „DB Vertrieb GmbH Fahrpreisnacherhebung“ – zuständig für Bahnkunden, die ohne gültigen Fahrschein erwischt werden – bestätigt den Kontrolleuren, dass sie vorschriftsmäßig gehandelt haben. Und auch der Kundendialog der S-Bahn München sieht sich außerstande, das „erhöhte Beförderungsentgelt“ rückgängig zu machen. Man fürchtet einen Präzedenzfall – die Streifenkarte soll nicht für Dinge mißbraucht werden können, für die sie nicht gedacht ist. Aus Kulanz, um den Ärger zu mildern, wird jedoch ein Bayern-Ticket im Wert von 23 Euro als Trostpflaster übergeben.

Fazit: Diffamierung und Imageverlust

Nochmal zur Klarstellung: Im vorliegenden Fall wird keinesfalls der betrügerische Versuch geahndet, eine Dienstleistung ohne Bezahlung in Anspruch zu nehmen. Vielmehr wird hier ein zahlender Kunde als Betrüger diffamiert, weil dieser ein „formal falsches Dokument“ benutzt hat – und zwar, ohne dass dem Dienstleister damit irgendein Schaden entstanden wäre. Belanglos ist offenbar auch, ob eine Absicht oder ein Versehen des Kunden vorliegt. Dieser Fall ist ein beeindruckendes Beispiel, mit welcher unbekümmerten Selbstverständlichkeit sich Dienstleister ihren Ruf ruinieren können. Ob die Rechtslage eindeutig ist, sei dahingestellt.

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Öffentliche Personenbeförderung - Dienstleistung mit ungeahnten Konsequenzen
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Die Personenbeförderung im öffentlichen Personenverkehr hat offenbar ihre Tücken. Bezahlen allein genügt nicht - auf das formal richtige Ticket kommt es an - ansonsten droht Strafzahlung als "Schwarzfahrer". Kunden werden so als Betrüger diffamiert.
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