Unternehmen steigern die Rohstoffproduktivität: Umweltindustrie schlägt Kapital aus überteuerten Rohstoffen

Die Jahresteuerungsrate für deutsche Importe hatte im November 2010 die höchste Steigerung seit November 2000 erreicht; so das Statistische Bundesamt Deutschland. Diese Rate wurde am stärksten von der Preisentwicklung für Energie, Metalle und Rohstoffe beeinflusst. Die DIHK spricht von Rohstoffkosten, die für die Deutsche Wirtschaft in 2010 rund 30 Milliarden höher waren als in 2009. Um diese Situation zu verbessern, fordert der Bundesverband der Deutschen Industrie eine konsequente Umsetzung der sogenannten Dreisäulenstrategie der EU-Kommission.

Rohstoffproduktivität nach BDI

Um die Versorgungssicherheit bei Rohstoffen zu steigern, propagiert der BDI den Zugang zu Importrohstoffen zu verbessern, die Verfügbarkeit von Rohstoffen aus europäischen Quellen zu steigern sowie die Rohstoffeffizienz zu vergrößern – etwa durch stärkeres Recycling.

Rohstoffproduktivität nach BMWi

Das deutsche Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) setzt auf eine Rohstoffstrategie aus Recycling, Nutzung heimischer Rohstoffe und den Aufbau internationaler Rohstoff-Partnerschaften. Mittelständischen Unternehmen wird ermöglicht, für Beratungsleistungen zu Rohstoff- und Materialeinsatzfragen Innovationsgutscheine abzurufen. Denn eine verbesserte Materialeffizienz in den Unternehmen gilt als wichtiger Beitrag zur Rohstoffsicherung. Es wird erwartet, dass sich so der Preisdruck mindert und Wettbewerbsvorteile genutzt werden können. Hierzu gibt es bereits ausgezeichnete Unternehmen; die diesjährigen Preisträger des Deutschen Materialeffizienz-Preises sind:

  • die Cobiax Technologies GmbH, Darmstadt;
  • die Drahtzug Stein combicore GmbH, Altleiningen;
  • die OPED GmbH, Valley;
  • das Unternehmen PTZ Weidner, Meßkirch;
  • das Karlsruher Institut für Technologie.

Als signifikante Kennzahl in diesem Zusammenhang gilt die Rohstoffproduktivität. Diese soll nach dem Plan der deutschen Bundesregierung bis zum Jahr 2020 verdoppelt werden, im Vergleich zu 1994. Das Statistische Bundesamt weist allerdings darauf hin, dass bei der Berechnung der Rohstoffproduktivität erst seit 2010 auch die sogenannten Rohstoffrucksäcke berücksichtigt werden. Gemeint ist der Einsatz von Rohstoffen, die bei der Produktion von Importgütern im Ausland benötigt werden.

Rohstoffproduktivität nach DIHK

Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) stellt fest, dass immer mehr Betriebe ihren Müll zu Geld machen. Offenbar findet sich für jeden Stoff auch der passende Abnehmer. Um dies zu unterstützen, hat die IHK-Organisation eine Online-Recyclingsbörse eingerichtet, in der alte Werkstoffe und Restposten kostenfrei angeboten werden können. Einer Umfrage entsprechend stehen Unternehmen dem Recycling aufgeschlossen gegenüber; allerdings nur auf freiwilliger Basis. Hinzu kommen verstärkte Anstrengungen der einzelnen Unternehmen, ihr Ressourcenmanagement von der Beschaffung bis zum Absatz zu optimieren.

Rohstoffproduktivität nach ifo

Entsprechend wächst auch die Umweltindustrie, insbesondere im Bundesland Bayern, gestützt durch eine steigende Zahl von Patentanmeldungen. Knapp 700 Umweltunternehmen wurden vom ifo-Institut nach ihren Geschäften befragt. In 2008 lag das Umsatzvolumen bei etwa 11,6 Milliarden Euro, einem Anteil von 20% der Umsätze mit Umweltschutzgütern in Deutschland. An der Spitze hierbei liegen die Bereiche erneuerbare Energien und nachwachsende Rohstoffe. Hinzu kommen die Bereiche Abfallwirtschaft, Recycling, Sekundärstoffe und Energieeinsparung. Das ifo-Institut empfiehlt der Branche, sich künftig verstärkt auf ausländische Kunden und Partner einzustellen, um sich zu einer vom Staat unabhängigen Wirtschaftskraft weiterzuentwickeln.