Archiv der Kategorie: Customer Relationship Management

Was möchten Kunden von Unternehmen erfahren, und was möchten Unternehmen über Kunden wissen? Und wie analysieren und kommunizieren Dritte die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden? Erkennen Sie in der Kategorie CRM, wie die fachliche und persönliche Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden gelebt wird und wie sie sich entwickelt.

Serviceerfahrung – Anforderungen an Servicetechniker

Welche Serviceerfahrung wird eigentlich von neu einzustellenden Servicetechnikern erwartet? Was müssen diese denn in der Regel so mitbringen? Und darauf soll ja schließlich aufgebaut werden. Die unterschiedlichen Gegebenheiten bezeugen folgende Stellungnahmen – aus einer Umfrage.

Serviceerfahrung – das technische Verständnis

„Wir erwarten technisches Verständnis, mehr nicht; auch keine spezielle Fachrichtung. Das ist ja ein Durchhandeln von Produkten, was wir machen. Und die im Service erforderliche Produktkenntnis kann relativ leicht erworben werden.“Auch folgende Anforderungen klingen relativ bescheiden: „Eine gewisse Berufserfahrung im Service sollte schon vorhanden sein.“ Und der folgende Anspruch sollte ebenso kein allzu großes Hindernis für einen Bewerber darstellen: „Wir erwarten wenigstens elektrische und mechanische Grundkenntnisse, das ist das Mindeste.“

Serviceerfahrung – die Basisausbildung

Doch es gibt auch andere Basisforderungen, beispielsweise: „Als Einstieg in den Service setzen wir den Meisterbrief in einer von drei definierten Fachrichtungen voraus. Darunter geht nichts.“ Oder es gilt: „Auf jeden Fall setzen wir Grundwissen der Technik auf dem Niveau eines Technikers oder als Dipl.-Ing. voraus; Programmierkenntnisse sind auch nicht schlecht, und idealerweise sind aktuelle Spezialkenntnisse in unserem Fachgebiet vorhanden.“

Serviceerfahrung – die bisherige Laufzeit

Einen Spitzenplatz belegt die Stellungnahme: „Wir setzen zehn Jahre Berufserfahrung im Service voraus; nein, ganz so schlimm ist es nicht, aber wir erwarten extrem viel Vorkenntnisse.“ Und wie verläuft das Aufbautraining? Hier gilt beispielsweise: „Bei uns absolviert jeder Servicetechniker ein fachlich orientiertes, internes Programm.“

Serviceerfahrung – die Systemkenntnis

Oder es heißt: „Vier Wochen Einarbeitung im Werk plus vier bis acht Wochen mit einem Kollegen draußen ist ausreichend für eigenständige Serviceeinsätze. Eine andere Stellungnahme verweist darauf: „Jeder Techniker muss schon eine Basisschulung von einem halben Jahr durchlaufen, um wirklich fit zu sein für unsere Systeme. Das geht dann immer mit learning by doing und ist recht umfassend. Auch darüber hinaus machen unsere Servicetechniker in regelmäßigen Abständen ihr Produkttraining.“

Serviceerfahrung – die Lernfähigkeit

Und wie produktspezifisch ein Training ausgerichtet sein kann zeigt folgende Äußerung: „Unser Produktspektrum kann von einem Servicetechniker nicht komplett beherrscht werden. Aber in etwa einem halben Jahr muss er auf eines unserer Produkte spezialisiert sein, allerdings mit allen zugehörigen Systemen.“ Abweichend hiervon macht eine andere Stellungnahme deutlich: „Wir haben so viele Produkte mit so vielen unterschiedlichen Technologien, sodass man bei uns sehr viel lernen muss. Und von daher ist ein Servicetechniker erst nach einem Jahr Produkttraining einsatzfähig.“ Eine Nachfrage, inwieweit identische Baugruppen in unterschiedlichen Produkten eingesetzt werden und damit das Lernprogramm erleichtern, ergibt den Hinweis: „Natürlich tauchen immer wieder standardisierte Module auf, aber entscheidend ist deren Zusammenhang mit bestimmten Technologiepaketen und Software. Ein Steuerungsmodul etwa ist an sich immer gleich, aber man kann es vollstopfen mit Software, und die ist von Produkt zu Produkt unterschiedlich.“

Serviceerfahrung – die Investition

Wie gegensätzlich Konzepte im Trainingsbereich sein können, geht aus folgenden Stellungnahmen hervor. Zunächst ein Minimalkonzept: „Wir trainieren in der Regel nur die Servicetechniker unserer Kunden. Wie lange das Training dauert, kommt auf den Umfang an, den der einzelne Techniker zu betreuen hat. Aber die Basisschulung liegt so zwischen einem und drei Tagen. Das heißt nicht, dass die Technik trivial ist, aber es geht vor Ort nur um Modultausch. Die Modulreparatur wird dann in unserem Repair Center durchgeführt.“ Im Gegensatz dazu ein recht aufwendiges Programm: „Die erforderlichen Produktkenntnisse bringen wir jedem Servicetechniker nach und nach bei, durch begleitende Inbetriebnahmen und Serviceeinsätze. Es dauert allerdings zwei bis drei Jahre bis wir einen Techniker in den eigenständigen Service reinnehmen können. Das ist eine ganz schöne Investition, aber eine Sache, die absolut gerechtfertigt ist. Das können wir uns in unserem Umfeld gar nicht anders leisten.“

Wissen um Dienstleistungen aufbauen – Innovative Methoden nutzen

Es wird fleißig geforscht auf dem Gebiet der Services: Etwa im Hinblick auf deren Qualität oder der Schaffung von Mehrwert. Das Beschwerdemanagement, Servicegarantien oder der Notfall-Service scheinen noch unerforschte Facetten zu haben. Technologien, mit denen sich „Self Services“ realisieren lassen, werden genauso thematisiert wie Gesetzmäßigkeiten im Service-Wettbewerb. Und insgesamt ist die Zielrichtung, bestehende Dienstleistungen  über innovative Methoden weiterzuentwickeln oder neue aus der Taufe zu heben – thematisiert auf der 6. Dienstleistungstagung des BMBF.

Innovative Methoden – zum Hintergrund

Die Dienstleistungsforschung stellt sich beispielsweise Fragen über zukünftige Kundenerwartungen, die Entstehung von entsprechenden Innovationen oder etwa die Qualifizierung von Erwerbstätigen in Dienstleistungsbereichen. Ob Dienstleistungsforschung Sinn macht ist zunächst eine berechtigte Frage. Wenn man sich jedoch bewusst macht, dass ein Großteil der Wertschöpfung [ 70% in Deutschland ] von der Dienstleistung abhängt, ist diese Frage bereits beantwortet.

Innovative Methoden – nicht jede greift

Die verfügbaren Innovationsmethoden lassen sich offenbar nicht ohne Weiteres auf die Entwicklung von Dienstleistungen übertragen. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn diese Methoden sind zumeist auf handfeste Produkte ausgerichtet.

  • Anwendbar sind offenbar Methoden wie die Szenario-Analyse oder das Trendmonitoring, und natürlich die ingenieurmäßigen Methoden der produktbegleitenden Dienstleistungen: Hierbei geht es dann um Service-Engineering, das beispielsweise auf Service Blue Printing, Fehlermöglichkeits- und Einflussanalyse oder Kennzahlenanalyse zugreift.
  • Gleichwohl haben sich bei der Entwicklung von Dienstleistungen auch spielerische und erzählende Elemente etabliert. So wie in der digitalen Simulation von Produktionsabläufen bereits üblich, können jetzt auch Dienstleistungen entwickelt werden. Eine entsprechende Plattform ist verfügbar: Das sogenannte ServLab1 . Es basiert auf einer virtuell modellierten Realität, in der dann auch die jeweilige Dienstleistungsumgebung simuliert wird. Die sich hieraus ergebenden Interaktionen werden über ein Service-Theater in die reale Welt übertragen: Die zukünftigen Dienstleister lernen so spielend was von ihnen erwartet wird.
  • In der Weiterentwicklung von Dienstleistungen hat auch „Storytelling through Design“ seinen Platz gefunden. Hierbei werden zwei Informationsbereiche gegenübergestellt: Die dokumentierten Serviceprozesse und die beobachteten Dienstleistungen. Die hierbei eventuell zu erwartenden Diskrepanzen dienen dann als Basis, um die entsprechenden Dienstleistungen zu verändern und zu erneuern. Der Clou: Das Ergebnis wird als Story fixiert und vermittelt. Als offenes Medium für die Kommunikation um Verbesserungsprojekte kann ein Intranetsystem etabliert werden.
  • Doch auch der ungezwungene Ideenaustausch auf dem kleinen Dienstweg hat offenbar noch seine Berechtigung. Denn Wissen wird nicht von allen Teilnehmer eines Netzwerks vollständig und bereitwillig geteilt. Für die Bewertung von Marktkonstellationen und Entwicklungspotenzialen ist das Know-How von Servicemitarbeitern aber unverzichtbar; und daher müssen sowohl formelle als auch informelle Wege genutzt werden. Im übrigen hat Wissenstransfer nichts mit der wöchentlichen Besprechung zu tun.

Innovative Methoden – entwickeln und bewerten

Wie gelingt es nun, neue Dienstleistungen zu entwickeln, die den Ansprüchen genügen? Unabhängig davon, welche Methoden eingesetzt werden und wie diese kombiniert sind: Entscheidend ist, dass regelmäßig überprüft und bewertet wird, was sich aus diversen Entwicklungsphasen ergibt. Und diese beziehen sich beispielsweise darauf, wie eine Idee ausgewählt oder eine Dienstleistung konzipiert wird, oder wie diese dann geleistet werden kann. Es geht dabei also um den Ansatz einer kontinuierlich verbesserten Dienstleistungsentwicklung: Ein Bewertungskonzept, das gegebenenfalls auch als Softwaretool genutzt werden kann.

Innovative Methoden – betriebswirtschaftlich integriert

Es ist nur noch eine Frage in welcher Form Dienstleistungen in der traditionellen Betriebswirtschaftslehre stärker berücksichtigt werden als bisher. Fakt ist, dass immaterielles Vermögen nicht ausgewiesen ist: Es wird nicht quantifiziert. Und damit bleibt auch unbekannt, wie stark der Wert eines Unternehmens durch immaterielles Vermögen beeinflusst wird. Vielleicht mangelt es dadurch auch an Risikobewusstsein, dass solche Vermögenswerte auch gefährdet sein können: Beispielweise wenn kein entsprechender Patentschutz vorliegt oder Know-How-Träger nicht mehr zur Verfügung stehen.

Innovative Methoden – Wissen ist erkannt als sogenanntes intellektuelles Kapital

Ohne intellektuellesKapital ist eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit nicht möglich. Dabei wird differenziert zwischen Humankapital, Strukturkapital und Beziehungskapital. Wissen soll bilanziert werden, und als Basis dient die Selbstbewertung in Workshops. Letztlich wird analysiert und mit Indikatoren quantifiziert, welche Wirkung das intellektuelle Kapital auf den Geschäftserfolg hat. Und damit kann ein Unternehmen solider bewertet werden als bisher. Und was noch viel bedeutsamer ist: Es werden zusätzliche Handlungsspielräume eröffnet, die den Geschäftserfolg beeinflussen.

Geschmacksmuster – Reparatur im Designschutz

Designer-Bauteile haben es in sich, obwohl es eigentlich nur um Äußeres geht. Gemeint ist der Austausch dieser Bauteile, wenn sie defekt sind. Geschützte Designer-Komponenten dürfen nur als Originalteile ausgetauscht werden: Das meinen die Originalteile-Hersteller. Nein, auch nachgebaute Designerteile müssen erlaubt sein: Das meint der freie Ersatzteilhandel. Seit einiger Zeit ist ein politischer Streit im Gange, der klären soll, ob bestimmte Bauteile eines technischen Systems, die als Geschmacksmuster geschützt werden können, auch als Ersatzteile nur von dem Originalhersteller angeboten werden dürfen.

Geschmacksmuster – der Unterschied

Wer mit einem Geschmacksmuster Bauteile schützen will muss zunächst eine grundlegende Unterscheidung treffen zwischen sogenannten „must-fit“-Teilen und „must-match“-Teilen. Nach einschlägigen Informationen gelten folgende Kriterien:

  • „must-fit“ steht für eine Klassifizierung von Teilen, deren Form aus rein technischen Gründen in allen Elementen vorgegeben ist, um in ein komplexes Produkt eingefügt zu werden. Solche Teile sind grundsätzlich und ohne Ausnahme vom Geschmacksmuster ausgeschlossen.
  • „must-match“ steht für eine Klassifizierung von Teilen, deren Formen notwendig sind, um ein komplexes Produkt in sein ursprüngliches Erscheinungsbild zurückzuversetzen. Solche Teile können dem Geschmacksmuster zugeführt werden.

Geschmacksmuster – der Hintergrund

Geschmacksmuster wurden ursprünglich kreiert für den Schutz des ästhetischen Geschmacks. Später wurde eine Umbenennung in Designschutzrecht erwogen. Da sich der bisherige Begriff aber in Fachkreisen bereits eingebürgert hatte, wurde der Begriff Geschmacksmuster beibehalten. Bei Geschmacksmustern muss man sich darüber im Klaren sein, dass es offenbar nicht um den „Schutz von technischen Dingen“ geht sondern um den gestalterischen Aspekt: ausschiesslich dieser ist dabei gefragt. Geschmacksmuster befassen sich mit dem Design und den rechtlichen Möglichkeiten des Designschutzes. Das hat etwas mit dem Aussehen zu tun und bezieht sich auf die Form. Gleichwohl sind die Auswirkungen auf „technische Belange“ alles andere als oberflächlich.

Geschmacksmuster – die Definition

Generell betrachtet wird ein „Muster“ als Geschmacksmuster geschützt, wenn es zum Zeitpunkt der Anmeldung „neu ist und Eigenart hat“. Mehr hierzu unter : www.dpma.de. Sollen Bauteile geschützt werden, ist noch ein weiteres entscheidendes Kriterium zu berücksichtigen: Es gilt nämlich, dass die formgebundenen Bauteile beim normalen Gebrauch sichtbar sein müssen. Trifft dieses auf ein zu schützendes Bauteil nicht zu, kann der Geschmacksmusterschutz erst gar nicht angewendet werden.

Wenn also ein „abgedecktes“ Bauteil eines technischen Systems nachgebaut wird, kann dies durch einen Geschmacksmusterschutz nach dem neuen europäischen und nationalen Recht offenbar nicht verhindert werden. Und das gilt auch für Baugruppen, die beispielsweise nur bei Serviceaktivitäten sichtbar werden, da es sich hierbei um keinen normalen Gebrauch handelt. Andererseits könnten dann aber formgebundene Abdeckungen und Verkleidungen an sich, Bedienelemente, optische Anzeigen und ähnliches, und insgesamt alle offen erkennbaren Bauteile Geschmacksmusterschutz erhalten.

Geschmacksmuster – die Reparaturklausel

Die Geschmacksmuster-Richtlinie ist eine europäische Richtlinie mit der Nr.: 98/71/EG. Die Rechtslage wird von Experten folgendermaßen skizziert: In Europa haben sich die „beteiligten Kreise“ so ausgerichtet, dass bei der Niederschrift der Geschmacksmusterrichtlinie auch eine sogenannte Reparaturklausel vorgegeben wurde. Das war in 1998. Diese Richtlinie war dann auch für Deutschland umzusetzen und anzuwenden. Diese Reparaturklausel beinhaltet, dass die Herstellung und der Vertrieb von sogenannten formgebundenen Ersatzteilen unabhängig von einem möglicherweise bestehenden Designschutz zulässig sein sollen. Das bedeutet: Die Hersteller von „Gegenständen“ können sich zunächst mal grundsätzlich alles schützen lassen. Und das Geschmacksmuster entsteht dann auch für solchermaßen angemeldete Objekte. Aber sie können diese Schutzrechte nicht durchsetzen gegenüber Unternehmen, die identische Teile als Ersatzteile in den Handel bringen.

Zum Thema Geschmacksmuster und Reparaturklausel wird schon seit Anfang der neunziger Jahre diskutiert. Signifikant ist, dass das Thema immer wieder an den Ersatzteilen für PkWs festgemacht wird. Und dabei wird oft verkannt, dass sich die entsprechenden Auswirkungen nicht nur auf Autos beschränken. Es geht einfach darum, dass mit den Geschmacksmustern ein gewerblicher Rechtsschutz entsteht. Und der kollidiert offenbar mit „bestimmten Aspekten“ des Kartellrechts. Befürworter der Reparaturklausel befürchten bei deren Abschaffung ein Produktmonopol der Originalhersteller im Ersatzteilmarkt: „Diese erhielten diesen Status quasi durch die Hintertür des gewerblichen Schutzrechtes“, mit entsprechender Laufzeit.

Geschmacksmuster – der Verbraucherschutz

Auch der Verbraucherschutz wird angeführt, da diese Klausel eine einfachere und damit auch kostengünstigere Produktion erlaube, was den Verbrauchern zugute käme. Kurz gesagt: Es soll ausgeschlossen werden, dass der Wettbewerb behindert wird. Die Originalhersteller verweisen naturgemäß auf ihre Investitionen, die für die Entwicklung der entsprechenden Bauteile in Vorleistung erbracht wurden. Sie wehren sich dagegen, dass „andere die Ernte einfahren, zu der diese nichts beigetragen haben“. Und sie beabsichtigen einen angemessenen „Return on Investment“ zu erzielen.

Inwieweit das Argument zutrifft, dass viele Hersteller nur einen Teil der Ersatzteile überhaupt selbst produzieren und die übrigen Teile von Zulieferern zukaufen und durchhandeln, sei dahingestellt. Ein Designschutz würde diesen Zulieferern einen eigenen Zugang zum Ersatzteilmarkt natürlich verwehren.

Geschmacksmuster – ein Beispiel

Betrachtet man die Geschmacksmuster-Richtlinie aus europäischer Sicht, als Gemeinschaftsgeschmacksmuster, dann ergibt sich beispielsweise folgende Situation:

Ein defekter Kotflügel ist auszutauschen. Dieser Kotflügel wird aber nicht aus dem „Lager des Automobilherstellers“ entnommen. Vielmehr ist der Lieferant ein unabhängiger Ersatzteilhersteller. Der Automobilhersteller hat hier keine Möglichkeit gegen diesen Ersatzteilhersteller vorzugehen. Der von diesem selbst produzierte und als Austauschteil angebotene Kotflügel kann rechtmäßig verkauft werden.

Und das gilt nicht nur für die Automobilbranche. Auch Bauteile anderer technischer Systeme können von Dritten offenbar nachgebaut und im Wettbewerb zum Hersteller angeboten werden. Wie gesagt, wenn diese Bauteile als Reparaturteile deklariert sind und nicht beispielsweise als „optionaler Bausatz“ auf dem Markt erscheinen.

Geschmacksmuster – der Status

Nach einschlägigen Auskünften wurde die Reparaturklausel in Deutschland noch nicht in das Gesetz aufgenommen. Und das wird mit der Übergangsvorschrift der europäischen Richtlinie begründet. In Deutschland kann man also sichtbare Teile als Geschmacksmuster anmelden und auch durchsetzen. Ob das dann tatsächlich auch gemacht wird, ist eine andere Sache. Es gibt da offenbar unterschiedliche Ansichten in den einzelnen Branchen.

Auf europäischer Ebene muss also noch entschieden werden, ob dieses europäische Gesetz in allen Mitgliedstaaten Gültigkeit hat. Man spricht zwar schon über einen Kommissionsvorschlag, der zwingend vorsieht, dass es einzuführen ist. Dieser Vorschlag muss aber noch vom Rat angenommen werden. Im Moment ist es somit sowohl in Deutschland als auch auf europäischer Ebene möglich, Bauteile mit Geschmacksmuster zu schützen. Entsprechende Anmeldungen sind überall möglich. Doch auf europäischer Ebene kann man das Geschmacksmuster nicht durchsetzen , wenn diese Teile im Handel sind und zu Reparaturzwecken dienen.

Wenn Waren über die Grenzen kommen wird es dann noch interessanter. Denn alles was im Ausland passiert kann man mit dem nationalen, also dem deutschen Schutzrecht im Ausland nicht erfassen. Mit dem europäischen Schutzrecht geht es dann aber auch nicht. Denn obwohl man einen weiteren Rahmen hat, steht ja die Reparaturklausel entgegen.

Geschmacksmuster – die Anmeldung

Aktuell gelten folgende Rahmenbedingungen:

  • Geschmacksmuster gibt es nur an formgebundenen, im normalen Gebrauch sichtbaren Teilen
  • Anmelden kann man alles. Und es wird auch alles erst mal geschützt und eingetragen, selbst wenn es sich um ein „abgedecktes“ Teil handeln sollte. Das würde erst im Ernstfall genau geprüft werden. Das heißt, eine Entscheidung, ob die Schutzvoraussetzungen zutreffend sind oder nicht, wird erst in einem entsprechenden Verletzungsprozess getroffen. Dabei wird jedes einzelne Merkmal der im Geschmacksmuster eingetragenen Abbildungen auf Sichtbarkeit im normalen Gebrauch übergeprüft.
  • Im letzten Schritt muss man dann unterscheiden: Wird europäisches Schutzrecht angewendet oder gilt das nationale Schutzrecht?

Geschmacksmuster – die weitere Entwicklung

Der Vorschlag des Rates zur Ergänzung der Geschmacksmuster-Richtlinie 98/71/EC um gesetzlichen Designschutz, insbesondere was die Reparaturklausel betrifft, ist zur Zeit im Europäischen Parlament in der 1. Lesung. Die Diskussionen im Europäischen Parlament dauern noch an. Zwei parlamentarische Kommissionen haben bereits eine favorisierte Stellungnahme zu dem Vorschlag abgegeben. Weiterführende Beratungen sind im Herbst 2006 vorgesehen.

Ersatzteilgeschäft absichern – Methoden gegen Plagiatoren einsetzen

Im Ersatzteilgeschäft ist kein 100%iger Schutz möglich. Aber es gibt einige praktikable Methoden, die es erlauben, dem unerwünschten Nachbau von Ersatzteilen und dem entsprechendem Ersatzteilgeschäft Einhalt zu gebieten. Unautorisierte und illegitime Anbieter sind nicht ohne Grund erfolgreich. Letztlich sind die Betreiber der technischen Systeme zu überzeugen.

Ersatzteilgeschäft – die richtige Strategie

Das Ersatzteilgeschäft der Plagiatoren stellt die Originalhersteller vor ein Problem. Und da es jeden Hersteller treffen kann, gibt es sogar schon Zusammenschlüsse gleichartiger Unternehmen, um entsprechende Gegenstrategien gemeinsam zu entwickeln. Man will also nicht nur auf den Einzelfall reagieren, sondern dem illegitimen oder unautorisierten Ersatzteilgeschäft der Wettbewerber möglichst die Grundlage entziehen. Trotz der Brisanz hat nicht jedes Herstellerunternehmen eine Antwort darauf – verständlicherweise ist auch nicht jedes Unternehmen bereit, die anvisierten oder eingesetzten Methoden anzusprechen.

Systemhersteller beziehungsweise deren Hersteller originaler Baugruppen und Ersatzteile können jedenfalls ihre Vorteile der wirtschaftlichen und fachlichen Leistungsfähigkeit propagieren – und signalisieren damit einem Betreiber, dass er mit vollem Einsatz rechnen kann, wenn Bauteile zu optimieren sind. Das Ersatzteilgeschäft von Plagiatoren kann so empfindlich gestört werden.

Ersatzteilgeschäft – Betreiber scheuen unkalkulierbare Risiken

Natürlich wissen Betreiber, dass es billige, funktionsfähige Ersatzteile gibt. Doch wenn es um zulassungspflichtige Systeme geht, kollidiert diese Kenntnis in einigen Branchen mit einer bestimmten Einstellung, die den Original-Herstellern entgegen kommt – es geht um die konservative Grundhaltung. So ist beispielsweise zu erfahren, dass manche Betreiber sehr risikoscheu agieren und handeln, speziell in Deutschland. Wobei es aber auch signifikante Unterschiede innerhalb einer Branche geben kann. Das Bedürfnis möglichst alle Risiken auszuschließen ist nicht unbegründet.

Dieser Anspruch hat dort am meisten Gewicht, wo bestimmte Systeme einfach nicht kaputt gehen dürfen, weil Ausfälle eventuell auch Personenschäden nach sich ziehen können. Deshalb greifen entsprechende Betreiberunternehmen offenbar bevorzugt auf Original-Ersatzteile zurück – und legen auch besonderen Wert darauf. Denn dadurch haben sie die 100%-ige Garantie, dass der Originalhersteller mit „in der Pflicht“ ist. Insbesondere was die kontinuierliche Qualitätssicherung betrifft.

Trotzdem können Betreiber das Ersatzteilgeschäft von Dritten zumindest fallweise unterstützen. Manche Hersteller ziehen daraus die Konsequenz, dass sie dann auch nur noch ein ausgesuchtes Grundsortiment an Ersatzteilen vorhalten.

Ersatzteilgeschäft – Einsatz diverser Methoden

Welche konkreten Methoden geeignet sind, Drittanbieter das Ersatzteilgeschäft zu erschweren, hängt sicherlich auch von den einzelnen Branchen ab. Und jedes Unternehmen muss für sich entscheiden, welche „Hindernisse“ in seinem Umfeld am besten geeignet sind. Hier eine Auswahl:

  • Es gibt einen sehr wirksamen Schutz vor Plagiaten. Diesen erhält man mit eingetragenen Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern auf möglichst viele Bauteile. Nicht ganz so einfach ist allerdings die Erfüllung der entsprechenden Voraussetzungen. Patentrechtlicher Schutz auf Ersatzteile und Baugruppen ist nicht immer realisierbar. Sind solche Rechte aber vorhanden, lassen sie sich auch hart durchsetzen. Rechtsgrundlage für die Beschlagnahme und Vernichtung von Waren, die beispielsweise Marken-, Urheber- oder Patentrechte verletzen, sind die VO (EG) Nr.1383/2003, insbesondere für den Bereich von Drittlandsimporten. Im Markengesetz / § 146 gilt dies insbesondere im Bereich des innergemeinschaftlichen Warenverkehrs und für Parallelimporte.
  • Eine weitere Methode, dem Ersatzteilwettbewerb Hindernisse in den Weg zu stellen, bietet sich den Originalherstellern durch eine sporadische, konstruktive Optimierung von Bauteilen und deren Schnittstellen. Das ist jedoch eher als vorbeugende Maßnahme zu betrachten und setzt primär die uneingeschränkte Betreuung des Systems durch den Herstellerservice voraus. Besonders wirkungsvoll ist diese Methode bei Verbrauchsteilen, die – nach einem bestimmten Verschleiß – vom Anwender während des regulären Betriebs selbst gewechselt werden können. Doch Vorsicht, denn ein Betreiber wird sich ja nicht die Möglichkeit einfach so nehmen lassen, billigere Verbrauchsteile eines Drittanbieters einzusetzen. Eine Schnittstellenanpassung, die das konkurrierende Verbrauchsteil nicht mehr aufnimmt, ist erklärungsbedürftig. Eventuell können Gründe der Funktionsverbesserung herangezogen werden.
  • Es gibt Hersteller, die vorwiegend Systeme produzieren, die ein spezifisches Know-How voraussetzen. Dabei werden Know-How-Teile eingesetzt, also Komponenten, die nicht ohne eine entsprechende Kompetenz in der notwendigen Qualität fremdproduziert werden können. Ergänzt wird diese Strategie durch eine entsprechende Patentpolitik.
  • Auch die Qualität des Materials oder etwa eine außergewöhnliche Passgenauigkeit kann einen gewissen Schutz gegen Produktpiraterie bieten. Die Hürde des Qualitätsanspruchs liegt besonders hoch bei sicherheitsrelevanten Teilen. Nicht zuletzt wegen der entsprechenden Zulassungs- und Prüfungspflichten.
  • Der Nachbau einfacherer Teile kann möglichrweise nie ganz ausgeschlossen werden. Hier ist das Kopieren sehr einfach und ein entsprechender Schutz im Prinzip kaum möglich. Es gibt immer eine gewisse Piraterie, der man nicht viel entgegensetzen kann. Trotzdem können natürlich auch solche Teile eine Aufwertung erfahren, wenn sie innerhalb eines Gesamtsystems qualifiziert wurden: Was massiv zu kommunizieren ist.
  • Beabsichtigt ein Betreiber Fremdersatzteile zu nutzen, so kann das einen Originalhersteller zu der Entscheidung veranlassen, seine Gewährleistung bzw. Produkthaftung für das Gesamtsystem aufzuheben. Doch das ist natürlich ein zweischneidiges Schwert. Kurzfristig mag der Betreiber dadurch am Einsatz von Fremdersatzteilen gehindert werden, aber auf längere Sicht gesehen wird sich dieser Betreiber wahrscheinlich als Kunde verabschieden.
  • Ein guter Ansatz liegt in jedem Fall in der Aufklärung der Betreiber, weshalb sie mit Originalteilen besser bedient sind. Denn oft werden die Vorteile nicht oder nur ungenügend kommuniziert; sodass vergleichbare Kriterien fehlen. Das heißt, für den Kunden muss es auch eindeutig sein, dass er ein Ersatzteil vom Originalhersteller vorliegen hat. Eine aussagekräftige Kennzeichnung, vielleicht sogar als „Werbeträger“, ist da sicher hilfreich.
  • Eines der stärksten Argumente ist immer noch eine langjährige Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Normalerweise wird diese von Betreibern auch gefordert. Eine aktive Vermarktung der Ersatzteile lässt aber auch das „Preis-Standzeit-Verhältnis“ nicht außer Acht. Auch ein Engagement in der Altteile-Rückführung, verbunden mit einer entsprechenden Entsorgungsleistung, kann dienlich sein.
  • Unterstützende Servicekonzepte beinhalten neben der Ersatzteillieferung auch Upgrade-Beratung und natürlich die regelmäßigen Inspektionen, Wartungen etc. : Das gilt besonders für technische Systeme deren Betreuung häufig schon beim Kauf für die gesamte Lebensdauer vereinbart wird.
  • Um konkurrierende Ersatzteilproduzenten „auszuschalten“, besteht natürlich auch die Möglichkeit, diese als Kooperationspartner zu verpflichten. Hat der Originalhersteller entsprechende Mittel, ist natürlich auch eine Übernahme denkbar.