Streik – wer nicht hören will, soll fühlen

Wenn der Unmut über unternehmensspezifische Zustände oder Absichten wächst und sich die Interessenvertreter unzufriedener Mitarbeiter hierzu kein Gehör verschaffen können, soll eine Arbeitsniederlegung stimulierenden Druck aufbauen – konsequenter Gegendruck kann bekanntlich auch zu Aussperrungen führen.

Die Palette möglicher Forderungen reicht von existenziellen Verbesserungen bis hin zur Durchsetzung von Privilegien. Ob es sich bei entsprechenden Verhandlungen um reines Powerplay von Lobbyisten handelt, sei dahingestellt – mit wirtschaftlichen Folgeschäden im Streikfall ist jedenfalls zu rechnen.

Streik – sogar im Dienstleistungssektor

Die Bedeutung von Dienstleistungen tritt spätestens dann schlagartig in das Bewusstsein, wenn entsprechende Aktivitäten ausgesetzt sind. Dabei widerspricht ein Streik fundamental dem individuellen Selbstverständnis eines Dienstleisters. Kunden sollen zwar nicht unter dem Streik leiden, sind aber automatisch Mittel zum Zweck – ein Streik wird zwangsläufig auf dem Rücken der Kunden ausgetragen.

Streik – plus Kampf um die Akzeptanz der Kunden

Wenn der Servicemotor still steht, beginnt das große Warten der Kunden – im Spannungsfeld zwischen Unverständnis und Wohlwollen.  Hierbei können streikende Dienstleister sehr leicht die Gunst ihrer Kunden verlieren – sollte es nicht gelingen, den Grund für die verweigerten Leistungen plausibel zu machen. Keinesfalls sollte die Geduld der Kunden überstrapaziert werden. Notdienste können nur einen Teil der Kunden vorübergehend zufriedenstellen. Und inwieweit Kunden das erwartete Ergebnis einer erzielten Streiklösung – im Hinblick auf kundenspezifische Auswirkungen – letztlich akzeptieren, ist eine ganz andere Frage.

Streik – wenn der Druck aus Schlüsselpositionen kommt

Kritisch wird es besonders dann, wenn Mitarbeiter in Schlüsselpositionen unzufrieden sind. Naturgemäß können Funktionsträger einen ganz besonderen Druck ausüben, um ihre Interessen durchzusetzen. Um diesen Trumpf auszuspielen braucht es also keine „Massenbewegung“ – es genügt, wenn eine relativ kleine Gruppe sich stark macht und gegebenenfalls Prozesse lahmlegt.

Streik – kein Thema für elitäre Spezialisten

Mitarbeiter, mit besonders nachgefragten Qualifikationen, haben in der Regel keinen Bedarf an Streiks, um ihren Status voranzutreiben. In der Regel verfügen sie über ein ausreichend stichhaltiges Verhandlungspotenzial zur Absicherung ihrer beruflichen Zielvorstellungen. Sind diese in einem Unternehmen nicht mehr realisierbar, wird die Karriere in einem anderen Unternehmen fortgesetzt.

Streik – fokussiert die Alternativen des Wettbewerbs

Wenn ein Unternehmen bestreikt wird, bevorteilt dies voraussichtlich dessen Mitbewerber – beispielsweise im Bereich der Personenbeförderung: Airlines, die Bahn, Fernbusse und sonstige Mobilitätsdienstleister spekulieren nun mal auf Reisende, die im Streikfall nach Alternativen suchen. Ein Streik ist also immer auch ein Impuls, der Kunden eingefahrene Zustände hinterfragen lässt und auch unbeabsichtigte Veränderungen provozieren kann.

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Streik - wer nicht hören will, soll fühlen
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Streik ist ein erprobtes Mittel, um Interessen durchzusetzen, selbst der Dienstleistungssektor ist vor Streik nicht gefeit - obwohl die Gefahr besteht, hierbei die Akzeptanz der Kunden zu verlieren. Der Druck aus Schlüsselpositionen ist naturgemäß besonders stark, während Streik für elitäre Spezialisten kaum in Frage kommt. Für Wettbewerber ist Streik ein Startschuss, um Chancen zu nutzen.
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