TÜV unter druck – Reputation steht auf dem Spiel

Der TÜV ist erneut in den Schlagzeilen. Der Dammbruch eines Rückhaltebeckens in Brasilien wirft Fragen auf, denn erst in 2018 gingen offenbar entsprechende Überprüfungen voraus: ein „Periodic Review of Dams“ sowie  eine „Regular Inspection of Dams Safety“. Die publizierten dramatischen Personen- und Sachschäden wiegen schwer. Zumindest Zweifel an den Erkenntnissen aus der angewandten Prüfmethodik drängen sich auf. Genau das ist fatal, denn der technische Überwachungsverein hat sich mit Prüfungen, Produkttests, Inspektionen, Auditierungen, Systemzertifizierungen, Trainings und Schulungen weltweit etabliert.

TÜV und die Akkreditierung

Es versteht sich von selbst, dass nur vollständige und gültige Dokumente geeignet sind, „Laboratorien“, „Inspektionsstellen“ und „Zertifizierungsstellen“ für ihre Tätigkeit zu akkreditieren. Der Technische Überwachungsverein präsentiert sich in all diesen Bereichen als akkreditierter Prüfer. Allerdings wurden in 2016 Probleme mit der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) bekannt. Es fehlten gültige Nachweise der messtechnischen Rückführung eingesetzter Prüfmittel bei der Haupt- und Abgasuntersuchung von Kraftfahrzeugen. Liegen der DAkkS bestimmte, definierte Nachweise nicht vor, ist sie verpflichtet, eine Akkreditierung abzulehnen oder zu entziehen.

TÜV und die Automobile

Der technische Überwachungsverein präsentiert jährlich eine Mängelquote zu den Autos auf deutschen Straßen. Die Erkenntnisse resultieren aus den Hauptuntersuchungen sämtlicher Gesellschaften in Deutschland. Dieser TÜV-Report empfiehlt sich somit als vertrauenswürdiger, unabhängiger Ratgeber für Autofahrer. In diesem Sinne werden auch Zukunftstechnologien bewertet. Propagiert wurden beispielsweise mit Gas angetriebene Fahrzeuge als echte Alternative zu Diesel und Benzin. Und Autowerkstätten versprechen sich von einem Zertifikat erhebliche Wettbewerbsvorteile, wenn eine „Geprüfte Service- und Reparaturqualität“ bestätigt wird.

TÜV und die Maschinen und Anlagen

Zum Beispiel Aufzüge: Dass es offenbar nur „wenige schwere Unfälle“ gibt, ist ein Ergebnis der regelmäßigen, gesetzlich vorgeschrieben Kontrollen durch unabhängige Prüforganisationen – so auch durch den TÜV. Bei einer akuten Gefährdung durch gefährliche Mängel wird ein Aufzug sofort stillgelegt und darf erst nach Reparatur und erfolgreicher Nachprüfung wieder in Betrieb gehen. Die Überwachung von Aufzügen erscheint weitgehend abgesichert.

TÜV und die Nanotechnologie

Für 2009 plante der TÜV, die Sicherheitskriterien von Nanoprodukten auf den Prüfstand zu stellen. Der Anspruch war, Nanorisiken durch „Produktzertifikate“ zu minimieren. Mittlerweile bietet der Verein ein zertifizierbares Risikomanagement- und Monitoringsystem für die Nanotechnologie. Zertifiziert werden somit nicht die Nanoprodukte als solche sondern das Verfahren der Risikobewertung. Dieses Verfahren ist nicht nur für die Hersteller von Nanomaterialien konzipiert. Es soll im Bereich des Sicherheits- und Risikomanagements von jedem Unternehmen eingesetzt werden können.

TÜV und die Medizinprodukte

Auch in diesem Bereich macht es einen Unterschied, ob man die Produkte als solche oder lediglich das Herstellungsverfahren zertifiziert. Dass man hierbei als Zertifizierer missbraucht werden kann, hat der TÜV in 2013 erfahren. Zwar wurde bestätigt, dass die Zertifizierung des Unternehmens „Poly Implant Prothèse (PIP)“ den „geltenden Regeln“ offenbar entsprochen hat. Allerdings zeigt dieser Fall, wie irreführend ein Zertifikat genutzt werden kann, das nur für „bestimmte Prozesse eines Unternehmens“ ausgestellt ist.

TÜV und die Materialprüfung

Der TÜV hat den Anspruch, materialbedingte Schadensfälle unwahrscheinlicher zu machen. Hierzu unterhält der Verein Prüfeinrichtungen und computergesteuerte Anlagen, die das Betriebsverhalten moderner Werkstoffe bestimmen sollen. Ziel ist, Schäden effizient zu vermeiden, Ursachen zu erkennen und Schadensfälle durch den Einsatz geeigneter Methoden zu beurteilen. Als Versagensrisiken gelten mechanische, thermische, tribologische und korrosionschemische Einflüsse. Auch ständig steigende Sicherheits-, Umwelt- und Qualitätsaspekte sollen hierbei berücksichtigt werden – nicht zuletzt im Hinblick auf Langzeitergebnisse. Was für ein Portfolio!

TÜV und der Dienstleistungssektor

Der TÜV versteht sich nicht nur als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Prüfung und Zertifizierung von Systemen, Produkten und Personal. Seit 2008 werden auch Dienstleistungen zertifiziert. Zertifikate und Prüfsiegel bestätigen, dass Qualitätsanforderungen und Vorgaben der Dienstleistungsrichtlinie im Hinblick auf den Verbraucherschutz eingehalten werden. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen davon profitieren, wenn sie beabsichtigen, grenzüberschreitende Dienstleistungen innerhalb der EU zu erbringen.

TÜV und die Wirtschaftsverbände

Auch traditionsreiche Wirtschaftsverbände haben sich dazu entschlossen, ihr Qualitätsmanagement vom TÜV zertifizieren zu lassen. Dessen Siegel ist somit auch Nachweis einer effizienten Interessenvertretung, beispielsweise für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit insgesamt 38 Branchenverbänden. Das zertifizierte Qualitätsmanagementsystem des BDI steht für transparente Strukturen und optimale Abläufe. Ziel ist, die Interessen der deutschen Industrie noch schneller und effizienter im In- und Ausland zu vertreten.

TÜV und globale Risikobereiche

Als „Third Party“ der North American Secure Products Organization (NASPO) zertifiziert der technische Überwachungsverein auch weltweit nach dem US-Sicherheitsstandard: „ANSI/NASPO Security Assurance Version 2008“.  Dieser Standard gilt als umfassendes Verfahren zum Sicherheitsmanagement und beinhaltet zahlreiche Risikobereiche: Hiermit sollen Finanzbetrug, Identitätsausweisbetrug und die „Beeinträchtigung von Markenintegrität“ eingedämmt werden.

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TÜV unter Druck - Reputation steht auf dem Spiel
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Zweifel an den Erkenntnissen aus Prüfungen, Produkttests, Inspektionen, Auditierungen, Systemzertifizierungen, Trainings und Schulungen könnten der Reputation des TÜV Schaden zufügen.
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