TÜV unter Druck – Akkreditierung ist kein Freibrief

TÜV-DAkkS
TÜV unter Druck

Es versteht sich von selbst, dass nur vollständige und gültige Dokumente geeignet sind, „Laboratorien“, „Inspektionsstellen“ und „Zertifizierungsstellen“ für ihre Tätigkeit zu akkreditieren. Der Technische Überwachungsverein (TÜV) präsentiert sich in all diesen Bereichen als akkreditierter Prüfer. Deshalb wiegt es besonders schwer, dass dieser Verein jetzt Probleme mit der Deutschen Akkreditierungsstelle (DAkkS) bekommt: Im konkreten Fall fehlen gültige Nachweise der messtechnischen Rückführung eingesetzter Prüfmittel bei der Haupt- und Abgasuntersuchung von Kraftfahrzeugen. Liegen der DAkkS bestimmte, definierte Nachweise nicht vor, ist sie verpflichtet, eine Akkreditierung abzulehnen oder zu entziehen.

TÜV und die Automobile

Der technische Überwachungsverein präsentiert jährlich eine Mängelquote zu den Autos auf deutschen Straßen. Die Erkenntnisse resultieren aus den Hauptuntersuchungen sämtlicher TÜV-Gesellschaften in Deutschland. Dieser TÜV-Report empfiehlt sich somit als unabhängiger Ratgeber für Autofahrer. In diesem Sinne bewertet der TÜV auch Zukunftstechnologie. Propagiert werden beispielsweise mit Gas angetriebene Fahrzeuge als echte Alternative zu Diesel und Benzin. Und Autowerkstätten versprechen sich von einem TÜV-Zertifikat erhebliche Wettbewerbsvorteile, wenn eine „Geprüfte Service- und Reparaturqualität“ bestätigt wird.

TÜV und die Maschinen und Anlagen

Zum Beispiel Aufzüge: Dass es nur wenige schwere Unfälle gibt, ist ein Ergebnis der regelmäßigen, gesetzlich vorgeschrieben Kontrollen durch unabhängige Prüforganisationen – so auch durch den TÜV. Bei einer akuten Gefährdung durch gefährliche Mängel wird ein Aufzug sofort stillgelegt und darf erst nach Reparatur und erfolgreicher Nachprüfung wieder in Betrieb gehen. Trotzdem wird Betreibern von Aufzügen immer wieder ein laxer Umgang mit der Mängelbeseitigung vorgeworfen – ohne Konsequenzen?

TÜV und die Nanotechnologie

Für 2009 plante der TÜV, die Sicherheitskriterien von Nanoprodukten auf den Prüfstand zu stellen. Der Anspruch war, Nanorisiken durch „Produktzertifikate“ zu minimieren. Mittlerweile bietet der Verein ein zertifizierbares Risikomanagement- und Monitoringsystem für die Nanotechnologie. Zertifiziert werden somit nicht die Nanoprodukte als solche sondern das Verfahren der Risikobewertung. Dieses Verfahren ist nicht nur für die Hersteller von Nanomaterialien konzipiert. Es soll im Bereich des Sicherheits- und Risikomanagements von jedem Unternehmen eingesetzt werden können.

TÜV und die Medizinprodukte

Auch in diesem Bereich macht es einen Unterschied, ob man die Produkte als solche oder lediglich das Herstellungsverfahren zertifiziert. Dass man hierbei als Zertifizierer auch missbraucht werden kann, hat der TÜV in 2013 erfahren müssen. Von der Haftung für die Zertifizierung des Unternehmens „Poly Implant Prothèse (PIP)“ wurde der Verein letztlich freigesprochen, da in diesem Fall die „geltenden Regeln offenbar strikt eingehalten“ wurden. Gleichzeitig zeigt dieser Fall jedoch, wie irreführend ein Zertifikat genutzt werden kann, das nur für „bestimmte Prozesse eines Unternehmens“ ausgestellt ist.

TÜV und die Materialprüfung

Der TÜV hat den Anspruch, materialbedingte Schadensfälle unwahrscheinlicher zu machen. Hierzu unterhält der Verein Prüfeinrichtungen und computergesteuerte Anlagen, die das Betriebsverhalten moderner Werkstoffe bestimmen sollen. Ziel ist, Schäden effizient zu vermeiden, Ursachen zu erkennen und Schadensfälle durch den Einsatz geeigneter Methoden zu beurteilen. Als Versagensrisiken gelten mechanische, thermische, tribologische und korrosionschemische Einflüsse. Auch ständig steigende Sicherheits-, Umwelt- und Qualitätsaspekte sollen hierbei berücksichtigt werden – nicht zuletzt im Hinblick auf Langzeitergebnisse.

TÜV und der Dienstleistungssektor

Der TÜV versteht sich nicht nur als Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Prüfung und Zertifizierung von Systemen, Produkten und Personal. Seit 2008 werden auch Dienstleistungen zertifiziert. Zertifikate und Prüfsiegel bestätigen, dass Qualitätsanforderungen und Vorgaben der Dienstleistungsrichtlinie im Hinblick auf den Verbraucherschutz eingehalten werden. Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sollen davon profitieren, wenn sie beabsichtigen, grenzüberschreitende Dienstleistungen innerhalb der EU zu erbringen.

TÜV und die Wirtschaftsverbände

Auch traditionsreiche Wirtschaftsverbände haben sich dazu entschlossen, ihr Qualitätsmanagement vom TÜV zertifizieren zu lassen. Das TÜV-Siegel ist somit auch Nachweis einer effizienten Interessenvertretung, beispielsweise für den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit insgesamt 38 Branchenverbänden. Das zertifizierte Qualitätsmanagementsystem des BDI steht für transparente Strukturen und optimale Abläufe. Ziel ist, die Interessen der deutschen Industrie noch schneller und effizienter im In- und Ausland zu vertreten.

TÜV und globale Risikobereiche

Als „Third Party“ der North American Secure Products Organization (NASPO) zertifiziert  der TÜV auch weltweit nach dem US-Sicherheitsstandard: „ANSI/NASPO Security Assurance Version 2008“.  Dieser Standard gilt als umfassendes Verfahren zum Sicherheitsmanagement und beinhaltet zahlreiche Risikobereiche: Hiermit sollen Finanzbetrug, Identitätsausweisbetrug und die „Beeinträchtigung von Markenintegrität“ eingedämmt werden.

Zusammenfassung
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TÜV unter Druck - Akkreditierung ist kein Freibrief
Beschreibung
Auch für den TÜV hängt eine Akkreditierung von definierten Nachweisen ab. Veränderte Richtlinien und Vorschriften müssen selbstredend auch im Nachhinein berücksichtigt werden. Die Gründe für die Erteilung oder Aberkennung einer Akkreditierung sind somit eindeutig. Die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) hat keine Wahl.
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