Werbung in Social Media: Unkontrollierbare Protestwellen besser vermeiden

Der Wert einer spontanen Social Media Kommunikation als Folge von gezielt platzierten Impuls-Informationen kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Und mit einer kundenorientierten Ansprache ist ein nutzbringendes Feedback auch zu erwarten. Zielorientierte, informelle Statements werden mindestens wahrgenommen. Auch wenn potenzielle Kunden vielleicht nicht – sofort – dazu bereit sind, sich hierzu öffentlich zu äußern. Neben diesen zweifelsfrei vorhandenen Vorteilen von Social Media, gibt es offenkundig auch Stolperfallen, und zwar gewaltige.

Werbung für Produkte

So hat der auf Twitter platzierte Tweet des Modedesigners Kenneth Cole für eine Protestwelle in Social Media Foren gesorgt: „Millionen sind in Aufruhr in Kairo. Das Gerücht geht um, sie hörten, dass unsere neue Frühjahrskollektion online verfügbar ist.“ Der Spiegel titelte: Zynischer Ägypten-Tweet blamiert US-Designer. Generell stellt sich hierbei die Frage, ob weltpolitische Themen als Aufhänger für eine produktspezifische Werbung überhaupt geeignet sind. Egal auf welchem Kanal und insbesondere im Hinblick auf gravierende, gesellschaftliche Veränderungen und Entwicklungen. Es darf bezweifelt werden.

Werbung mit Risiko

Aufmerksamkeit für Produkte und Dienstleistungen um jeden Preis zu erreichen, ist nicht neu. Hierbei gilt auch negative Werbung als etablierte Form der Public Relations. Geht man mit dieser Strategie allerdings in Social Media Bereiche, kann dies eine nicht mehr kontrollierbare Kettenreaktion ablehnender Äußerungen auslösen, die einem GAU gleichkommt. Eine nachhaltige Geschäftsschädigung ist nicht ausgeschlossen: Die Chancen, Meldungen aus einem weltweiten Proteststurm aus dem Netz zu tilgen, sind gleich Null.

Thesen zur Werbung

Es kommt also nicht von ungefähr, dass der Bundesverband digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. Thesen zur Zukunft von Social Media aufgestellt hat. Hierbei wird erwartet, dass Unternehmen ihre Social Media-Aktivitäten:

  • über alle Abteilungen hinweg disziplinübergreifend organisieren,
  • für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter nutzen ( Employer Branding ),
  • für die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen einsetzen,
  • mit den CRM- Feldern Leadmanagement, Kundenservice und Kundenbindung verschmelzen,
  • nicht nur über Facebook realisieren, sondern auch über neue dynamische Plattformen und Applikationen,
  • auch für den ROI messbar machen,
  • in neue Berufsbilder des Marketings einfließen lassen,
  • zur Kommunikation ihres Engagements einsetzen.

Überdies wird prognostiziert, dass Social Media Aktivitäten zunehmend in kleineren bis mittleren Unternehmen integriert werden. Für Mittelstand, Industrie, B2B, Verbände, NGOs gilt es, aus den Fehlern der Großen zu lernen und einzuschätzen, wo Social Media ihnen wirklich nützt. In diesem Sinne ist zu klären, wie und wofür das Wissen aus dem Social Web eingesetzt werden kann; so der BVDW.