Worst Case Szenarien im AKW FUKUSHIMA: Unzureichender Sicherheitsstandard eskaliert Naturkatastrophen

Die katastrophale Störfallsituation im japanischen AKW FUKUSHIMA ist Folge einer Verkettung zweier Naturkatastrophen, meint das deutsche Atomforum. Worst Case Szenarien haben vorgeführt, dass Sicherheitsstandards ihre Grenzen haben. Netz und Infrastruktur sind zerstört, was dem Erdbeben angelastet wird. Der anschließende Tsunami gilt als Ursache für den Ausfall der Notstromanlage und des Reaktorkühlsystems. Das Atomforum definiert eine Verkettung dieser Naturkatastrophen als “in Deutschland nicht vorstellbar”.

Worst Case – Szenarien einschätzen

Es drängt sich die Frage auf, weshalb sich die japanischen Kraftwerksbetreiber eine solche Verkettung auch nicht vorstellen konnten. Japan ist immerhin ein Hochtechnologie-Land mit extrem ausgeprägtem Sicherheitsbedürfnis und Qualitätsbewusstsein sowie ausgiebiger Erfahrung mit Erdbeben. Es ist sicherlich zweifelsfrei, dass Worst-Case-Szenarien für den Betrieb von Atomkraftwerken weitgehend durchgespielt sind. Und für diese Szenarien darf man auch annehmen, dass sicherheitstechnische Vorkehrungen in ausreichendem Maße in Atomkraftwerken integriert sind. Problematisch sind offenbar die als unwahrscheinlich definierten Konstellationen, die wider Erwarten den Totalausfall von Sicherheitssystemen verursachen.

Worst Case – Vergleiche ziehen

Aufgrund des japanischen Szenarios plant die deutsche Bundesregierung neue Sicherheitschecks für alle deutschen AKWs. Als Resultat sind drei Möglichkeiten denkbar:

  • Man kommt zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitstechnik der deutschen AKWs dem japanischen Szenario standgehalten hätte und sieht keinen weiteren Handlungsbedarf.
  • Man kommt zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitstechnik der deutschen AKWs dem japanischen Szenario nicht standgehalten hätte und veranlasst entsprechende Nachrüstungen.
  • Man kommt zu dem Ergebnis, dass die Sicherheitstechnik der deutschen AKWs dem japanischen Szenario nicht standgehalten hätte. Trotzdem wird aufgrund der als gering definierten Eintrittswahrscheinlichkeit in Deutschland auf eine sicherheitstechnische Nachrüstung verzichtet.

Worst Case – das Unmögliche berücksichtigen

Es drängt sich auf, bei den geplanten AKW-Sicherheitschecks auch weitere bisher als “unvorstellbare Verkettungen” bezeichnete Konstellationen zu berücksichtigen. Allerdings liegen die anstehenden AKW-Nachrüstungen jetzt schon im Milliardenbereich, wie der Spiegel am 30.8.2010 berichtete. Hinzu kommt, dass selbst bei einer umfassenden Ausdehnung der AKW-Nachrüstungen, im Hinblick auf bisher undenkbare Katastrophenszenarien, trotzdem noch eine Sicherheitsgrenze zu definieren wäre. Und auch diese kann aufgrund einer Verkettung bestimmter, ungünstiger Ereignisse überschritten werden und in eine Katastrophe münden.

Am 4. August 2010 hat die Bundesregierung einen nationalen Aktionsplan für erneuerbare Energien beschlossen. Er sollte forciert realisiert werden.