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Reverse Engineering – Scannen komplexer Ersatzteile als Dienstleistung

Der Nachbau von Bauteilen beginnt mit dem Scannen. Die Technologie des Reverse Engineering ist verfügbar und ausgereift – weshalb also nicht auch Ersatzteile kopieren. Ersatzteillieferanten, die als Wettbewerber des Herstellerservice agieren, nutzen entsprechende Vermessungslabors, um Fertigungsdaten zu generieren: Dienstleister in Kooperation.

Reverse Engineering – Dienstleistung per Scanner

Ein vorliegendes Objekt weitgehend exakt abzubilden, ist seit geraumer Zeit als Reverse Engineering bekannt. Reverse Engineering macht aus einem fertigen Objekt quasi wieder einen Plan. Auf dieser Basis kann eine Kopie des Objekts 1:1 hergestellt und auch weiterentwickelt werden. Dass diese Möglichkeit auch von Wettbewerbern eines Herstellerservice genutzt werden kann, um Ersatzteile zu reproduzieren, liegt auf der Hand. Wer Bauteile erfassen will kann sich der 3D-Scanner bedienen.

Die Leistungsfähigkeit solcher Scanner wird bestimmt durch deren Genauigkeit , Geschwindigkeit und natürlich durch die erfassbare Objektgröße. Und damit liegt die Preisspanne solcher Scanner ca. zwischen 1000.- und 130000.- EUR. Dienstleistungsunternehmen für die industrielle Messtechnik bieten auch 3D-Koordinatenmessungen an. Kunden für das Reverse Engineering finden sie in den unterschiedlichsten Branchen, besonders aber im Maschinenbau und in der Automobilindustrie.

Reverse Engineering – Technische Aspekte

Nach einschlägigen Auskünften werden bei den Low-Cost-Systemen Objekte von beispielsweise 20 cm Höhe und 10 cm Durchmesser erfasst. Sie werden auf eine Art Drehteller gestellt, über Laserstrahlen abgetastet und die Daten im Computer abgelegt. Bei höheren Ansprüchen wird das Objekt auf einen Tisch gestellt, während ein beweglicher Arm um das Objekt herumfährt und dieses vermisst. Solche Systeme arbeiten im Genauigkeitsbereich von zehntel mm und noch genauer. Die Daten werden dabei sofort im richtigen Format abgelegt. Propagiert wird diese Lösung vor allem deswegen, da es sich als vorteilhaft erweist, dass man durch den beweglichen Arm auch die Blickrichtung bestimmen kann. Und der Blick in Löcher oder hinter vorstehende Teile wird dabei automatisch korrekt erfasst.

Trotzdem weisen Anwender darauf hin, dass es in komplexen Bereichen des Reverse Engineering immer auch Gebiete gibt, die abgeschottet sind. Beispielsweise gehören sehr tiefe Bohrungen zu solchen Grenzbereichen, in denen nicht mehr alles möglich ist. Und dennoch kann mit einem beweglichen Arm vieles erfasst werden. Insbesondere auch dann, wenn mit sogenannten „Laser-Trackern“ gearbeitet wird. Man setzt dabei einen Reflektor ein, der in einer bestimmten Position auf dem Objekt platziert wird, um den Abstand zum eigentlichen Messgerät mit extremer Genauigkeit zu bestimmen. Objekte werden so punktweise gescannt.

Rückführungen von Objekten zu CAD-Daten sowie Konturerfassungen allerArt sind mittlerweile Standard. Mittels 3D-Koordinatenmessgerät und Laserscannerwerden Messpunktwolken erzeugt und CAD-Datenmodelle errechnet. Mit Anwendung dieser 3D-Datenmodelle können Bauteile formgetreu reproduziert werden. Dabei werden die Objekte gewissermaßen in einem Flächen- bzw. Volumenmodell dargestellt. Und wenn Sollwerte bekannt sind, kann auch die Maßhaltigkeit dieser Objekte geprüft werden.

Reverse Engineering – Nachbau und Schutzrechte

Messlabor-Dienstleister sind sich der Möglichkeit natürlich bewusst, dass sie über Reverse Engineering eventuell Aufträge bearbeiten, die der Produktpiraterie Vorschub leisten. Ein Nachweis, ob der Auftraggeber entsprechend legitimiert ist wird aber nicht verlangt. Zumal dann nicht, wenn die beauftragenden Unternehmen bekannt sind. Aber auch wenn es sich um Neukunden des Messlabors handelt, geht man offenbar davon aus, dass der Auftraggeber selbst wissen muss, ob er Schutzrechte von Bauteilen verletzt.

Vorherrschende Ansicht ist auch, dass ein „frei erhältliches“ Bauteil keiner Geheimhaltung unterliegt. Und es wird darauf hingewiesen, dass eine Digitalisierung und Nachkonstruktion grundsätzlich frei von irgend welchen Beschränkungen ist. Erst der Nachbau oder Vertrieb solcher Bauteile wird als problematisch eingestuft, wenn entsprechende Schutzrechte vorliegen. Aber es gibt auch Messlabors, die sich nicht ganz so sicher sind, was die Rechtslage betrifft: Rechtliche Beschränkungen ihrer Tätigkeit möchten sie nicht selbst kommentieren und verweisen an die Juristen.

Reverse Engineering – auf Akkreditierung achten

Selbstverständlich unterliegen solche Dienstleistungen entsprechenden Vorschriften und Beschränkungen. Und ein unabhängiges Messlabor ist sicherlich akkreditiert. Damit die Akkreditierung Bestand hat, werden die Messgeräte jährlich folgenden Kalibrier- und Prüfungsprozeduren unterzogen. Mitarbeiter müssen regelmäßig geschult werden. Darüber hinaus sind entsprechende messtechnische Normen und Vorschriften einzuhalten, anzuwenden und immer auf dem neusten Stand zu halten.

Eindeutig wird mit der Akkreditierung die fachliche Kompetenz eines Vermessungslabors bestätigt. Und es gibt eine Verpflichtung zur Integrität. Und dies bedeutet, dass „das Laboratorium auch über grundsätzliche Regelungen und Verfahren verfügen muss, durch welche die Teilnahme an Tätigkeiten vermieden wird, die das Vertrauen in seine Kompetenz, Unparteilichkeit, sein Urteilsvermögen oder seine betriebliche Integrität herabsetzen könnten“. Die Verpflichtung der Akkreditierung bezieht sich also auf die Unabhängigkeit der Prüfung. Es gilt, Gefälligkeitsprüfungen für einen Auftraggeber abzulehnen. Aufträge sind dahingehend zu prüfen, ob das verlangte Prüfverfahren dem Stand der Technik entspricht und den beabsichtigten Prüfzweck erfüllt.

Experten sind der Meinung, dass aus einer Akkreditierung kaum moralische oder rechtliche Verpflichtungen zur Begegnung der Produktpiraterie abgeleitet werden können – zumal der Auftraggeber wohl auch nicht verpflichtet ist, den Zweck seines Vermessungsauftrages zu erläutern. Wenn eine solche “Legitimation” weder verlangt noch nachgewiesen werden muss, liegt die rechtliche Verantwortung einer Bauteilevermessung wohl ausschließlich beim Auftraggeber. Bleibt noch anzumerken, dass ein Vermessungsauftrag durchaus auch mit einer Geheimhaltungsverpflichtung versehen sein kann. Inwieweit die integritätsverpflichtende Zertifizierung eines Vermessungslabors auf die Vermeidung von Produktpiraterie auszudehnen ist, sei dahingestellt.

ITIL-Standard – Interpretationen zum IT-Servicemanagement

Der Begriff IT- Infrastructure Library kurz “ITIL” steht für einen weltweiten Standard für das Servicemanagement von IT-Dienstleistungen. Wie fundiert ist dieser Anspruch? Hier einige Ansichten.

ITIL-Standard – Christian Bartsch vom FZI meint hierzu:

“Der ITIL-Standard wird in den meisten Unternehmen eingeführt, um langfristig die Standardisierung von Begriffen, Prozessen und Systemen herbeizuführen. Das Ziel ist die Steigerung der Effizienz und die Reduktion der Kosten von IT-Services. ITIL trägt zur Verbesserung der Transparenz und der Integration von Prozessen im Unternehmen bei und ermöglicht es dem Unternehmen daher, flexibler auf Veränderungen reagieren zu können. Professionell geplant und umgesetzt, hat die Prozessanpassung nach ITIL neben positiven internen Effekten auch eine entsprechende Außenwirkung. Das Kundenmanagement verbessert sich und auch das Management von Partnern und Lieferanten wird effizienter. Die Voraussetzungen für die ITIL Zertifizierung von Unternehmen orientieren sich an den jeweiligen Reifegraden der betrachteten Prozesse. Der Reifegrad bezeichnet in diesem Zusammenhang die organisatorische Reife eines Unternehmens in der Umsetzung von kontinuierlichem Prozessmanagement”, so Herr Bartsch.

ITIL-Standard – Wolfgang Dornaus von der IT Engineering Group ist absolut davon überzeugt …

… dass ITIL den Standard für das IT-Servicemanagement darstellt, in vielen Unternehmen bereits implementiert ist bzw. gerade implementiert wird und meist auch als Grundlage für die „Service Level Agreements“ bei Outsourcing-Verträgen dient. Allerdings sieht er auch einen Haken bei der Sache: „ITIL ist sehr aufwändig und für mittlere und kleine Unternehmen aus diesem Grund nicht eins zu eins umsetzbar. Hier sind sinnvolle Anpassungen notwendig. Und es gibt derzeit nur sehr wenige ITIL- zertifizierte Fachleute in Deutschland, möglicherweise auch wegen der sehr teuren Zertifizierung. Allerdings wird in den Großunternehmen ITIL sukzessive in allen IT Bereichen eingeführt, das eine oder andere mittlere Unternehmen wird folgen, denn anders werden die Betriebskosten nicht in den Griff zu bekommen sein. Manche der definierten ITIL-Prozesse sind natürlich auch für Bereiche außerhalb der IT einsetzbar“, so Herr Dornaus.

ITIL-Standard – Hans-Peter Fröschle, vom „IT Servicemanagement Forum“ weist darauf hin …

… dass itSMF Deutschland e.V. Initiativen ergriffen hat, um die Einstiegsschwelle für kleinere und mittelständische Anwendungsunternehmen in die ITIL-Thematik deutlich herabzusetzen. „Solche Initiativen ergreifen wir als unabhängiges ITIL-Forum im Rahmen mehrerer Arbeitskreise. Ein Beispiel hierfür ist die Erarbeitung eines generischen ITIL-Referenzmodells, das sich an den IT-Anwendungen kleinerer Unternehmen orientiert.. In diesem Zusammenhang muss auch noch betont werden, dass es derzeit keine ITIL-Unternehmenszertifizierung gibt sondern nur Einzelpersonen zertifiziert werden. Das gilt sowohl für Anwendungsunternehmen als auch für IT- Dienstleister, so Herr Fröschle.

ITIL-Standard – Für Michael Langer, Serview GmbH, steht fest …

… dass sich das „Managers Certificate in IT Service Management“ nach vielen Jahren international zum Standard-Qualifikationsnachweis in der IT Organisation entwickelt hat: „Hintergrund und treibende Kraft ist die Weiterentwicklung vieler IT-Organisationen hin zum Service-Provider und Business-Partner. Der wachsende Reifegrad von IT-Organisationen basiert auf standardisierten Arbeitsabläufen und Methoden. Prozesse verleihen einer solchen serviceorientierten Organisation die erforderliche Transparenz und Messbarkeit und erlauben das Steuern und Regeln zur Erfüllung der Business-Anforderungen. Die Grundlage ist also eine Prozessorganisation, die über häufig historisch gewachsene, hierarchisch-funktional orientierte Abteilungsstrukturen hinweg die Business-orientierte Erbringung von IT Services im Fokus hat. Die Ausbildung zum Service Manager nach ITIL schafft genau hierfür das Bewusstsein, das nötige Know-How, und den Reifegrad der Mitarbeiter, um erfolgreich IT Servicemanagement Prozesse einzuführen bzw. in der Laufenden Prozessorganisation tragende Rollen einnehmen zu können. Der Begriff „Service Manager“ nach ITIL ist in diesem Kontext daher nicht zu vergleichen mit der häufig anzutreffenden, gleich lautenden Stellenbeschreibung, hinter der sich meist die Verantwortung für eine bestimmte Dienstleistung (Service) verbirgt. Vielmehr steht der Begriff Service Manager nach ITIL für eine tragende Rolle in der IT-Prozessorganisation. Process Manager, Process Owner oder Projektleiter bei der Prozessimplementierung sind hier zum Beispiel die Zielgruppe. Oft sieht man auch den Begriff CPO (Chief Process Officer), der meist die Verantwortung für das gesamte Prozessmodell trägt“ , so Herr Langer.

ITIL-Standard – Zertifizierungen zum Zwecke des entsprechenden Nachweises sind interessant jedoch nicht hinreichend, meint Thilo Jourdan, Siemens Business Services

Vielmehr ist die konsequente, ITIL-konforme Implementierung eines IT- Betriebs bzw. Rechenzentrums das eigentliche Ziel. Wenn eine Zertifizierung hilft, dem Unternehmen ein höheres Maß an ITIL-Verständnis zu entwickeln, ist dies natürlich zu begrüßen“, so Herr Jourdan.

ITIL-Standard – Für Michael Kaminski-Nissen von Hewlett-Packard steht außer Frage …

… dass das IT Service Management auf Basis von ITIL die zukünftige Voraussetzung sein wird, um den Business-Wert eines Unternehmens zu gewährleisten: ” Auf der Basis von ITIL als der umfangreichsten Informationsquelle für IT-Prozesse können hochwertige IT-Dienstleistungen realisiert werden. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass dabei drei entscheidende Faktoren in Einklang gebracht werden: Mensch, Prozess und Technologie, so Herr Kaminski-Nissen.

ITIL-Standard – Aus anderen Expertenkreisen ist zu vernehmen …

… dass es extrem wichtig ist, zwischen den unterschiedlichen Zertifizierungen zu unterscheiden. Es wird betont, dass die Notwendigkeit einer Zertifizierung vom Aufgabenbereich des jeweiligen Mitarbeiters abhängt. Eine “Foundation”-Zertifizierung gibt dem betroffenen Mitarbeiter einen soliden Überblick über ITIL und hilft ihm in der Anwendung. Eine Service-Manager-Zertifizierung geht wesentlich tiefer. Man sollte also sehr aufpassen, dass im Hinblick auf das Aufgabengebiet des Mitarbeiters keine Überqualifizierung erfolgt“, so die vorherrschende Meinung.

Die Interviewpartner: Christian Bartsch arbeitet am Forschungszentrum Informatik / Information Process Engineering (IPE); Wolfgang Dornaus ist Gesellschafter der IT Engineering Group; Hans-Peter Fröschle ist Geschäftsführer der i.t-consult GmbH ; Thilo Jourdan ist Mitglied der Geschäftsleitung Siemens, Region Südbayern und Leiter der SBS;Michael Kaminski-Nissen, Business Development-HPS Education Services bei der Hewlett-Packard GmbH; Michael Langer ist Manager Education der Serview GmbH.