Instandhaltungsberatung – Überzeugungsarbeit im Produktionsbetrieb

Eine Beratung ist sinnvoll und hilfreich, wenn sie die alternativlos gelebte, alltägliche Routine in Frage stellt. Beratungsbedarf lassen Organisationen vorwiegend dann erkennen, wenn sie vor konkreten Problemen stehen – eher nicht, wenn sie von ihrer bewährten individuellen Gangart uneingeschränkt überzeugt sind. Dr. Ralph Werner repräsentiert eine nachhaltig wirksame Instandhaltungsberatung –  als Manager Reliability Engineering der SKF GmbH.

Herr Werner, inwieweit ist eine betriebsinterne Instandhaltung beratungsresistent?

Ich würde ein Ressentiment gegenüber Beratungen nicht von vorneweg auf eine betriebsinterne Instandhaltung beziehen. Wir beobachten durchaus auch Situationen, dass die Instandhaltung offen für Veränderungen ist – auch für Beratungen von außerhalb – dies aber im Management auf taube Ohren stößt.

… was schliessen Sie daraus?

Beratungsresistent sind nur diejenigen, die keinen Wandel möchten – egal ob in der operativen Ebene oder im Management. Allerdings erkennen solche “Entscheider” im allgemeinen auch nicht, dass dieser Wandel allgegenwärtig ist – und vor allem, dass er sich nicht aufhalten lässt.

Wann hat Instandhaltungsberatung eine Chance?

Trotz einer wünschenswerten, generellen Offenheit gegenüber Neuem ist es hilfreich, wenn für die Instandhaltungsberatung ein gewisser Top-down-Ansatz gewählt wird. Das soll nicht heißen, dass die Entscheidungen nur im Management getroffen werden sollen und dann umzusetzen sind. Vielmehr bedeutet das: Je stärker der Rückhalt und das Commitment hinsichtlich Veränderungen auch im Management vorhanden sind, desto einfacher und vor allem auch nachhaltiger können die gemeinsam erarbeiteten und beschlossenen Maßnahmen in der Zukunft umgesetzt werden.

Beratung ist auf Schwachstellen fokussiert – welche sehen Sie in der Instandhaltung?

In vielen Organisationen, in denen wir beratend tätig sind, erkennen wir, dass die einzelnen Abteilungen untereinander zu wenig “miteinander” wirken – es gilt das Prinzip: “Jede für sich”. Dies betrifft beispielsweise die mangelhafte Einbindung der Instandhaltung in die Produktion. Dadurch kommen in der Instandhaltung die tatsächlichen Schwierigkeiten oft erst verspätet oder gar nicht an  – und es kann nicht optimal entgegengewirkt werden. Darüber hinaus ist ein strukturiertes Herausarbeiten von Verbesserungen durch das Anwenden der richtigen Kennzahlen oft nicht Teil der täglichen Arbeitsweise.

Wie entwickelt sich eine betriebsinterne Instandhaltung ohne externe Instandhaltungsberatung?

Dies lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Es gibt sicherlich sehr gute betriebsinterne Instandhaltungen, die von sich aus nach Verbesserungen streben und ihre Arbeitsweise immer wieder hinterfragen und optimieren. Ohne externe Beratung besteht jedoch die Gefahr, dass man “betriebsblind” wird und manche Schwachstellen beziehungsweise Verbesserungspotenziale nicht erkennt, da die eingefahrenen Vorgänge eben nicht hinterfragt werden. Außerdem beobachten wir immer wieder, dass aus der betriebsinternen Instandhaltung selbständig erkannte und vorgeschlagene Verbesserungsmöglichkeiten manchmal nicht so aufgenommen und umgesetzt werden wie es möglich wäre. Wenn der “Prophet im eigenen Hause” nicht das entsprechende Gehör findet, hat es eine externe Beratung gegebenenfalls einfacher.

Worauf muss sich eine zuverlässig agierende Instandhaltung verlassen können?

Aus unserer Erfahrung ist es für die Instandhaltung wichtig, dass alle Tätigkeiten detailliert erarbeitet wurden – allerdings auf Basis der tatsächlichen Anforderung des Betreibers und nicht aus Sichtweise des Herstellers einer Maschine. Ebenfalls muss eine klare Kompetenzmatrix der Mitarbeiter existieren und diese in Korrelation zum Tätigkeitsfeld stehen. Anhand dieser Kompetenzmatrix müssen die Mitarbeiter auch weitergebildet werden.

Wie unterscheiden sich die Anforderungen eines Betreibers von der Sichtweise eines Maschinenbauers?

Ein Betreiber hat natürlich immer eine sehr langfristige Ausrichtung. Er möchte seine Anlage für die komplette Nutzungsdauer  möglichst kostengünstig betreiben – also mit wenig Stillstandszeiten und möglichst geringen Instandhaltungskosten. Ein Anlagenbauer hat unter Umständen nur kurzfristige Interessen. Ihm ist wichtig, dass innerhalb des Gewährleistungszeitraumes keine Schäden auftreten.

Ein Anlagenbauer hat keine Antwort auf die Anforderungen eines Produktionsbetriebs?

Entscheidend ist die optimal auf eine Anlage angepasste Instandhaltungsstrategie sowie eine entsprechende Verfügbarkeit beziehungsweise Lagerhaltung der richtigen Ersatzteile. Doch für einen Anlagenhersteller ist es oft schwierig, eine langfristig optimierte Instandhaltungsstrategie in Form von Wartungsplänen und Vorgaben für Ersatzteile aufzustellen. Hierbei spielen unter anderem die individuellen Bedürfnisse des Anlagenbetreibers eine entscheidende Rolle, die der Hersteller in der Regel nicht beurteilen kann – beispielsweise zur Einstufung der “Kritikalität einer Anlage”. Ebenso ist nicht zu vergessen, dass Anlagen oftmals außerhalb ihrer definierten Spezifikationen betrieben werden und die Hersteller deshalb gar nicht die richtigen Anweisungen geben können.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen betriebsinternen Instandhaltern, produktspezifischen Herstellern und diversen Dienstleistern?

Wichtig ist ein konstruktives Miteinander. Leider ist in der Realität jede der Parteien oft auf ihren eigenen Aufgabenbereich fokussiert und schaut nicht “über den eigenen Tellerrand hinaus” – das macht das Miteinander schwierig. Als Beispiel ist hier nur der Datenaustausch zu nennen – viele Akteure haben unterschiedliche Systeme und dann ist ein Datenaustausch auf Systemebene nicht oder nur mit erhöhtem Aufwand möglich.

… welche Blockaden sind außerdem zu überwinden?

Wir – als externer Dienstleister – sehen es als eine unserer Hauptaufgaben an, als Moderator tätig zu werden. Bei einer Instandhaltungsberatung sind möglichst schnell die natürliche, anfängliche Skepsis zu überwinden und Ressentiments abzubauen. Immer wieder erleben wir, dass Blockaden nicht nur durch die Unsicherheit vor Veränderungen begründet sind sondern dass zunächst befürchtet wird, es geht alleine darum, Fehler aufzudecken und Schuldige zu suchen. Es gilt, solche “Zielvorstellungen” auszuräumen und den einzelnen Parteien den Nutzen einer Instandhaltungsberatung aufzuzeigen.

Wenn man mehr von Ihnen über Instandhaltungsberatung erfahren möchte – welche Möglichkeiten bieten Sie an?

Neben den unterschiedlichen Messen, auf der wir als SKF GmbH vertreten sind, besuchen wir natürlich auch verschiedene Konferenzen und Tagungen – wie beispielsweise die IFC EBERT-Tagung. Darüber hinaus können sich Interessenten gerne direkt an uns wenden – gerne besprechen wir dann individuell einen geeigneten Projektansatz: maintenance.consultancy@skf.com.

Herr Werner, herzlichen Dank für die informativen Einblicke in Ihre Instandhaltungsberatung.

Zusammenfassung
Beitrag
Instandhaltungsberatung - Überzeugungsarbeit im Produktionsbetrieb
Beschreibung
Instandhaltungsberatung fokussiert die scheuklappenfreie Bewertung der täglichen Routine im Produktionsbetrieb, einschliessllch einer sinnvollen Zusammenarbeit mit Herstellern und Dienstleistern - eine strategische Entscheidung der Betreiber.
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